Airbus verliert - US-Rüstungsmarkt abgeschottet

08.03.2010 23:52

Hamburg (dpa) - Das Aus für den zunächst an den Airbus-
Mutterkonzern EADS vergebenen «Jahrhundertauftrag» zur Lieferung von
179 Tankflugzeugen an die US-Luftwaffe bahnte sich am Mittwoch, dem
9. Juli 2009 an. US-Verteidigungsminister Robert Gates befand in
Washington: «Wir werden bei der Industrie überarbeitete Vorschläge
anfordern.» Das Vergabeverfahren habe Mängel gezeigt und könne daher

nicht beibehalten werden.

Das Pentagon hatte den Mega-Auftrag über 40 Milliarden Dollar im
März vorigen Jahres nicht wie erwartet an den US-Hersteller Boeing
vergeben, sondern an EADS und dessen US-Partner Northrop Grumman.
Daraufhin legte Boeing Beschwerde ein. Auch der US-Rechnungshof hatte
eine eine Neuausschreibung verlangt. Begründung: Es seien bei der
Auftragsvergabe an EADS und Northrop Grumman Fehler unterlaufen, ohne
die Boeing möglicherweise den Zuschlag erhalten hätte. EADS zeigte
sich dennoch überzeugt, dass ihr Tankflugzeug das bessere sei.

Das künftige Tankflugzeug KC-45A der US-Luftwaffe sollte auf der
militärischen Version des Airbus-Passagierflugzeugs A330 basieren.
Der Airbus-Tanker mit der Bezeichnung A330 MRTT ist auch schon von
den australischen Luftstreitkräften, Saudi-Arabien und den
Vereinigten Arabischen Emiraten in Auftrag gegeben worden. Auch
Großbritannien hatte dieses Tankflugzeug ausgewählt. Die fliegende
Tankstelle soll Militärjets weltweit rund um die Uhr mit Treibstoff
versorgen und auch für Krankentransporte und Fracht genutzt werden
können.

Bei der US-Air-Force müssen die alten Stratotanker KC-135 ersetzt
werden, die Anfang der 50er Jahre eingeführt wurden. Der Zuschlag
ging zuerst an Airbus/Northrop, die damit den US-Konkurrenten Boeing
ausstachen, «weil die Tanker größer sind, mehr Treibstoff, mehr
Fracht und mehr Passagiere aufnehmen können». So begründete Air
Force-General Duncan McNabb die Entscheidung. Die Airbus-
Tankflugzeuge sollten in einem neuen Werk in Mobile (US-Bundesstaat
Alabama) endmontiert werden.

Nach der Juli-Entscheidung von Gates kämpfte EADS weiter um den
Auftrag. Doch der spektakulärer Durchbruch in den USA, dem bisher
streng abgeschirmten größten Rüstungsmarkt der Welt, scheiterte.
dpa pm/bl/mr xxzz w4 fi