Griechenland wirbt in den USA um Unterstützung

09.03.2010 09:39

   Washington/Berlin (dpa) - Im Kampf gegen Spekulanten wirbt das
hochverschuldete Griechenland nach Gesprächen mit den Europäern nun
bei der größten Wirtschaftsmacht der Welt um Unterstützung. Am
Dienstag wollte der griechische Regierungschef Giorgos Papandreou US-
Präsident Barack Obama treffen. Experten erwarten nicht, dass
Papandreou Obama um direkte Hilfe bitten wird. Papandreou ist
vielmehr an einer engen Zusammenarbeit im Kampf gegen Spekulationen
interessiert. Diese hätten auch bei der schweren Schuldenkrise
Griechenlands eine bedeutende Rolle gespielt. Eine europäische und
amerikanische Kooperation sei von «überragender Bedeutung», damit die

Krise nicht auf andere Teile der Welt übergreife, sagte Papandreou
nach einem Treffen mit US-Außenministerin Hillary Clinton am Montag.

Griechenland und die Europäer hätten bereits Initiativen zur
stärkeren Regulierungen von Spekulationen ergriffen. «Und ich hoffe,
dass es eine positive Antwort auf dieser Seite des Atlantiks gibt»,
sagte Papandreou.

Deutschland und Frankreich wollen nach einem Bericht der
«Süddeutschen Zeitung» Spekulationsgeschäfte gegen Staaten und gro
ße
Unternehmen mit einer gemeinsamen Initiative eindämmen. Dazu solle
der Handel mit bestimmten Wertpapieren beschränkt oder sogar komplett
verboten werden. Regierungsvertreter in Berlin und Paris kündigten
nach Angaben der Zeitung (Dienstag) an, dass Bundeskanzlerin Angela
Merkel und Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy einen Brief an
EU-Kommissionschef José Manuel Barroso schreiben wollten, und diesen
zum Handeln auffordern. Zu den Verfassern der Erklärung gehörten auch
der Vorsitzende der Euro-Gruppe, Jean-Claude Juncker, und der
griechische Ministerpräsident Giorgos Papandreou.

Ziel sei eine Richtlinie, die ungedeckte Leerverkäufe von Aktien
untersagt, den Handel mit Kreditausfallversicherungen (CDS) eingrenzt
und Finanzgeschäfte ohne Einschaltung einer Börse beschränkt. Nach

Informationen der Zeitung sind Merkel, Sarkozy, Juncker und
Papandreou zur Not auch zu einem europäischen Alleingang bereit,
sollten wichtige G-20-Partner wie die USA und China nicht mitziehen.
«Wir können nicht immer warten, bis der Letzte an Bord ist», hieß e
s
in Verhandlungskreisen. Gänzlich verboten werden sollten die CDS
allerdings nicht, da die Wirtschaft sie zur Absicherung benötige.
Darauf hätten Vertreter des Bundesverbands der Deutschen Industrie
hingewiesen.

Papandreou warnte vor der Gefahr, dass die dramatische
Schuldenkrise seines Lande eine neue globale Finanzkrise auslösen
könnte. Griechenlands massive Verschuldung - knapp 13 Prozent des
Bruttoinlandsprodukts - habe bereits Auswirkungen auf Europa, sagte
Papandreou, und sie könne sehr wohl einen Dominoeffekt in Form
steigender Kreditkosten für eine Reihe anderer verschuldeter Staaten
nach sich ziehen.
dpa cat yyzz z2 kf