Paris und Berlin wollen Spekulanten bremsen
09.03.2010 13:24
Berlin (dpa) Deutschland und Frankreich sagen Spekulanten den
Kampf an. Bestimmte Geschäfte wie Wetten auf fallende Aktienkurse
oder auf Kreditausfälle und Pleiten ganzer Staaten könnten künftig
eingedämmt oder komplett verboten werden.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Frankreichs Präsident
Nicolas Sarkozy wollen EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso
mit einem gemeinsamen Brief zum Handeln auffordern. Zu den Verfassern
der noch nicht abgestimmten Erklärung gehörten auch der Vorsitzende
der Euro-Gruppe, Luxemburgs Premier Jean-Claude Juncker, sowie der
griechische Ministerpräsident Giorgos Papandreou, bestätigte ein
Regierungssprecher am Dienstag in Berlin.
Ziel ist nach einem Bericht der «Süddeutschen Zeitung» (Dienstag)
eine Richtlinie, die «ungedeckte Leerverkäufe» von Aktien untersagt,
den Handel mit Kreditausfallversicherungen (Credit Default Swaps/CDS)
eingrenzt und Geschäfte ohne Einschaltung einer Börse beschränkt.
Merkel, Sarkozy, Juncker und Papandreou seien zur Not auch zu einem
europäischen Alleingang bereit, sollten wichtige G20-Partner wie die
USA und China nicht mitziehen. «Wir können nicht immer warten, bis
der Letzte an Bord ist», zitierte das Blatt «Verhandlungskreise».
Gänzlich verboten werden sollen CDS aber nicht, da die Wirtschaft
sie zur Absicherung benötigt. Darauf hätten Vertreter des
Industrieverbandes BDI gegenüber dem Kanzleramt hingewiesen.
Bei CDS-Absicherungsgeschäften werden Ausfallrisiken von Anleihen
oder Krediten - auch von Staaten - gehandelt. Sie stehen wegen der
Griechenland-Krise erneut am Pranger. Der CDS-Markt soll
Spekulationen gegen das hoch verschuldete Euro-Land noch verstärkt
haben. Merkel hatte beim Treffen mit Papandreou schärfere Maßnahmen
gefordert: «Wir müssen es schaffen, den Spekulanten das Handwerk zu
legen.» Spekulationen mit Kreditausfallversicherungen gegen Staaten
müssten eingedämmt werden. Dafür müssten aber nicht nur die EU-
Partner gewonnen werden, sondern auch die USA.
Bei Leerverkäufen verkaufen Anleger Aktien - in der Hoffnung, sie
später zu einem niedrigeren Kurs zurückkaufen und so Gewinne
einstreichen zu können. Bei «ungedeckten Leerverkäufen» decken sich
Finanzinvestoren nicht zuvor mit Aktien ein, sondern verkaufen die
Papiere, ohne sie ausgeliehen zu haben.
Auf dem Höhepunkt der Finanzkrise im Herbst 2008 hatten mehrere
Aufsichtsbehörden weltweit mit befristeten Notverfügungen «ungedeckte
Leerverkäufe» untersagt. In Deutschland sind diese nach einem
anderthalbjährigen Verbot seit Anfang Februar wieder erlaubt.
Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) will sie jedoch verbieten.
dpa sl yydd n1 cat/kf
