Streiks legen Griechenland lahm
11.03.2010 09:20
Athen (dpa) - Mit einer Streikwelle haben die griechischen
Gewerkschaften das Land praktisch lahmgelegt. Sie protestieren am
Donnerstag gegen die Sparpläne der Regierung zur Überwindung der
Schuldenkrise. Besonders betroffen war der Verkehr. Da auch die
Fluglotsen streiken, wurden seit Mitternacht sämtliche Flüge von und
nach Griechenland gestrichen. Die Fluglinien hatten ihre Passagiere
jedoch rechtzeitig informiert. Auch die Fähren zu den griechischen
Inseln und die Eisenbahn wurden bestreikt. Der Chef der Euro-Gruppe,
Luxemburgs Premier Jean-Claude Juncker, lobte derweil die
griechischen Sparanstrengungen.
Die internationalen Finanzmärkte hätten den Sparkurs durchaus
positiv aufgenommen, sagte Juncker auf NDR Info. «Daher kann von
einem Ablenkungsmanöver der Griechen nicht die Rede sein.» Er
begrüßte zudem den Vorschlag, einen Europäischen Währungsfonds zu
gründen. «Allerdings kann ein solcher Fonds nicht alle Probleme
lösen», sagte er. Jeder Euro-Staat müsse seine Finanzen zunächst
selbst in Ordnung bringen.
In Griechenland waren Kundgebungen in vielen Städten geplant. Im
Radio und Fernsehen gab es keine Nachrichten, da auch die
Journalisten für 24 Stunden in den Ausstand traten. Die meisten
Behörden blieben geschlossen, ebenso Schulen und Universitäten. In
den Krankenhäusern wurden nur Notfälle behandelt. Zudem blieben alle
antiken Stätten und Museen geschlossen. Supermärkte, die meisten
Banken und die Hotels hatten dagegen geöffnet.
Der griechische Ministerpräsident Giorgos Papandreou äußerte
Verständnis für den Unmut der Bürger, es gebe aber einfach «kein
Geld». Das harte Sparprogramm seiner Regierung sieht unter anderem
einen Einstellungsstopp im öffentlichen Dienst und Gehaltskürzungen
für Beamte vor. Die Mehrwertsteuer wurde um zwei Prozentpunkte
erhöht. Indirekte Steuern auf Tabak, Spirituosen und Treibstoffe
wurden gleich zweimal innerhalb weniger Wochen um rund 20 Prozent
erhöht.
Griechenland drücken Schulden von fast 300 Milliarden Euro. Die
EU-Kommission hat die griechischen Staatsfinanzen unter ständige
Aufsicht gestellt.
dpa tt xx z2 tst
