Streiks legen Griechenland lahm - Tausende demonstrieren

11.03.2010 12:53

Athen (dpa) - Mit einer Streikwelle haben die griechischen
Gewerkschaften das Land praktisch lahmgelegt. Sie protestieren am
Donnerstag gegen die Sparpläne der Regierung zur Überwindung der
Schuldenkrise. Nach Schätzungen der Gewerkschaften gingen allein in
Athen rund 50 000 Menschen auf die Straße. Vereinzelt kam es zu
Ausschreitungen. Die Polizei setzte Tränengas ein, um die Randalierer
auseinander zu treiben.

Die Demonstranten skandierten Sprüche wie «Recht ist das Recht des
Arbeiters» und forderten das griechische Volk zum «Aufstand» auf.
Dabei kam es vereinzelt zu Ausschreitungen. Rund 200 Autonome lösten
sich aus der Demonstration und schlugen mehrere Schaufensterscheiben
nahe des Archäologischen Museums von Athen ein.

Besonders betroffen von den Streiks ist der Verkehr. Da auch die
Fluglotsen streiken, wurden bereits seit Mitternacht sämtliche Flüge
von und nach Griechenland gestrichen. Gestrandete Reisende gab es
jedoch nicht, die Fluglinien hatten ihre Passagiere rechtzeitig
informiert. Auch die Fähren zu den griechischen Inseln und die
Eisenbahn wurden bestreikt.

Im Radio und Fernsehen gab es keine Nachrichten, weil auch die
Journalisten für 24 Stunden in den Ausstand traten. Die meisten
Behörden blieben geschlossen, ebenso Schulen und Universitäten. In
den Krankenhäusern wurden nur Notfälle behandelt. Zudem blieben alle
antiken Stätten und Museen geschlossen. Supermärkte, die meisten
Banken und die Hotels hatten dagegen geöffnet. Auch die Taxis fuhren.
Für die Gäste einiger Luxushotels gab es eine unangenehme
Überraschung: Mitglieder der Hotelleriegewerkschaft blockierten am
Morgen die Eingänge der Hotels.

Der griechische Ministerpräsident Giorgos Papandreou äußerte
Verständnis für den Unmut der Bürger. Er betonte jedoch, es gebe
einfach «kein Geld». Das harte Sparprogramm seiner Regierung sieht
unter anderem einen Einstellungsstopp im öffentlichen Dienst und
Gehaltskürzungen für Beamte vor. Die Mehrwertsteuer wurde um zwei
Prozentpunkte erhöht. Indirekte Steuern auf Tabak, Spirituosen und
Treibstoffe wurden gleich zweimal innerhalb weniger Wochen um rund 20
Prozent erhöht.

Griechenland drücken Schulden von fast 300 Milliarden Euro. Die
EU-Kommission hat die griechischen Staatsfinanzen unter ständige
Aufsicht gestellt.
dpa tt xx z2 tst