EU nur eingeschränkt für Thunfisch-Handelsverbot

12.03.2010 14:44

Brüssel (dpa) - Ungeachtet des bedrohlichen Zustands der Bestände
unterstützt die Europäische Union kein bedingungsloses Handelsverbot
für den Blauflossen-Thunfisch. Unmittelbar vor Beginn der
internationalen Konferenz über das Washingtoner Artenschutzabkommen
(CITES) beschlossen Vertreter der 27 EU-Staaten am Freitag in
Brüssel, sich zwar grundsätzlich für ein Verbot des internationalen
Handels mit diesem Fisch einzusetzen. Erst solle aber die Konferenz
der Internationalen Kommission für den Schutz des Atlantischen
Thunfischs ICCAT im Herbst abgewartet werden, die über neueste
Erkenntnisse mit Blick auf die Bestände berichten wird. Ein Verbot
könnte damit frühestens im Mai 2011 in Kraft treten.

Gleichzeitig beschlossen die EU-Staaten, gegen die Wiederaufnahme
des kommerziellen Handels mit Elfenbein zu stimmen, solange es keine
angemessenen Schutzmaßnahmen für Elefanten gibt. Tansania und Sambia
hatten den Antrag gestellt, Elfenbein aus Lagerbeständen zu verkaufen
und stießen damit auch auf erbitterten Widerstand sieben anderer
afrikanischer Staaten. Diese befürchten ein Aufflackern der Wilderei,
wenn legales Elfenbein gehandelt wird. Die Elefantenzahl in Afrika
wird je nach Organisation auf 400 000 bis 690 000 geschätzt.

Schärfere Handelskontrollen von Korallen sollen nach dem Willen
der EU erst nach eineinhalb Jahren in Kraft treten, um Hilfen für
Hersteller zu prüfen. Mit Blick auf die bedrohten Eisbären hieß es
dagegen, deren Lebensräume würden durch den Klimawandel bedroht,
weswegen Schutzmaßnahmen im Rahmen der laufenden
Weltklimaverhandlungen beraten werden müssten. Die USA hatten den
Antrag gestellt, ihn international streng zu schützen. In Kanada und
Grönland wird er dagegen noch gejagt.

Umwelt- und Tierschützer kritisierten den EU-Beschluss zum
Thunfisch. Zwar lege die EU - der größte Block in der CITES-Konferenz

- ihr Gewicht für den Schutz des Thunfischs in die Waagschale. «Aber
anders als die USA und andere Länder will die EU das Handelsverbot
bis nächstes Jahr verzögern.» Dies gebe schlicht der Industrie Zeit,

ihren diesjährigen Fang noch auf den Markt zu bringen.

In der EU verfügen vor allem Frankreich, Spanien und Italien über
große Thunfischflotten. Nach Angaben von Greenpeace landen 80 Prozent
des von der EU im Mittelmeer gefangenen Roten Thunfisches auf dem
japanischen Markt für Sushi-Gerichte. Bei den CITES-Verhandlungen
wird mit Zwei-Drittel-Mehrheit abgestimmt, darum könnte Japan
überstimmt werden.

   Die 175 CITES-Vertragsstaaten treffen sich von diesem Samstag an
(13. bis 25. März) in Doha am Persischen Golf. Dort wird über ein
Handelsverbot beraten. Der Blauflossenthun soll in Anhang I des
CITES-Übereinkommens aufgenommen werden. Dort sind vom Aussterben
bedrohte Arten gelistet, deren Handel besonders streng geregelt sein
muss und nur in Ausnahmefällen erlaubt ist. Diese Arten dürfen nicht

mehr international gehandelt werden.

Die EU will sich in Doha unter anderem für ein Zuchtverbot für
Tiger in China einsetzen und möchte ein Verbot des Handels mit
Tigerprodukten auch innerhalb Chinas erreichen. Honduras und Mexiko
möchten den Handel mit fünf Arten der Rotaugenfrösche reglementieren,

die auch oft in deutschen Terrarien landen.

(Konferenz: www.cites.org)

(Achtung: Dazu hat dpa am 8.3. ein Themenpaket gesendet)
dpa dj xx z2 hu