Euro-Länder wollen Griechen mit Krediten retten
15.03.2010 23:18
Brüssel (dpa) - Die Euro-Länder wollen das hoch verschuldete
Griechenland notfalls mit Krediten retten. Das vereinbarten die Euro-
Finanzminister nach fünfstündigen Beratungen am Montagabend in
Brüssel. «Griechenland wird unterstützt, wenn es die Hilfe braucht»
,
sagte der Vorsitzende der Euro-Kassenhüter, Luxemburgs Premier Jean-
Claude Juncker. Das Hilfsangebot an Athen ist in der gut zehnjährigen
Geschichte des gemeinsamen Euro-Währungsgebietes beispiellos. Den
Euro gibt es seit 1999.
Über Summen des Hilfspakets machten die Minister keine Angaben. Es
gibt Spekulationen, dass es sich um mindestens 25 Milliarden Euro
handeln soll. Griechenland hat mehr als 300 Milliarden Euro Schulden
und gilt als Wackelkandidat des Währungsgebietes.
Staatschefs werden Entscheidung treffen
Juncker sagte, den endgültigen Beschluss zu den bilateralen
Krediten müssten die EU-Staats- und Regierungschefs treffen. Bis
dahin seien noch technische Details zu klären, das könne Wochen
dauern. Offen blieb, ob schon beim nächsten Gipfel am 25. und 26.
März in Brüssel über den Griechenland-Rettungsplan entschieden wird.
Das müsse der ständige EU-Ratsvorsitzende Herman Van Rompuy
entscheiden. Die Chefs der EU hatten Athen bereits Mitte Februar
versichert, dass sie notfalls zur Hilfe bereitstehen.
Bislang habe Athen nicht um finanzielle Unterstützung gebeten,
unterstrich Juncker. Der Hilfsplan beinhalte nur bilaterale Hilfen,
aber keine Darlehensgarantien. Nach Worten des Chefs der Euro-Gruppe
sind die Vorschläge der Ministergruppe mit dem EU-Vertrag vereinbar.
Der Vertrag verbietet, dass Euro-Staaten für die Schulden ihrer
Partner geradestehen.
Griechenland soll hohe Zinsen zahlen
In einer gemeinsamen Erklärung der Minister hieß es - wenn auch
nicht explizit -, Griechenland solle im Notfall zu vergleichsweise
hohen Zinssätzen Kredite erhalten. Es solle «starke Anreize geben, um
so schnell wie möglich zu den (Finanz-)Märkten zurückzukehren.»
Der Chef der Eurogruppe wiederholte seine mehrfach geäußerte
Einschätzung, dass Griechenland wegen seines ehrgeizigen
Sparprogramms das Hilfspaket der Euro-Partner nicht benötigen werde:
«Wir denken, dass falls derartige Instrumente beschlossen würden, wir
diese Instrumente nicht brauchen würden.» An die Finanzmärkte ginge
die Botschaft, dass Griechenlands Sparmaßnahmen glaubwürdig seien.
Athen hatte ein striktes Sparprogramm aufgelegt, das unter anderem
Steuererhöhungen und Gehaltskürzungen für Beamte vorsieht. Damit will
die Regierung das Staatsdefizit von derzeit knapp 13 Prozent des
Bruttoinlandsprodukts im laufenden Jahr um vier Prozentpunkte senken.
Die Einschnitte sind umstritten; in der vergangenen Woche gab es in
Griechenland zahlreiche Demonstrationen und Streiks gegen den Kurs
von Ministerpräsident Giorgos Papandreou. Die Ministerkonferenz wird
am Dienstag im Kreis der Ressortchefs aller 27 EU-Staaten
fortgesetzt.
dpa cb/mt xx z2 fi




