Strauss-Kahn: Probleme im Finanzsektor ungelöst
17.03.2010 11:35
Brüssel (dpa) - Der Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF),
Dominique Strauss-Kahn, hält trotz des Tauziehens um Reformen des
Finanzsektors die Probleme für ungelöst. «Es ist unsere Pflicht, die
Institutionen neu auszurichten, um sie zu stärken», sagte er am
Mittwoch vor dem Finanzausschuss des Europaparlaments. «Machen wir
derzeit das Maximum aus dieser historischen Chance? Ich habe meine
Zweifel.»
Angesichts der anspringenden Konjunktur schwinde die Bereitschaft
der Länder zur Zusammenarbeit. «Die Politiker gehen nach Hause, alle
mit ihrer eigenen politischen Agenda», sagte er. «Aber es gibt keine
nationale oder regionale Lösung für die globale Krise.» Das Risiko
seien unkoordinierte Politik, verzerrte Kapitalströme und
regulatorische Willkür. «Selbst wenn eine Lösung national gut sein
mag, kann sie aus multilateraler Sicht die schlimmste Sache der Welt
sein.» Der IWF rechne in diesem Jahr mit einem globalen Wachstum von
4 Prozent und von 1 Prozent in der EU.
Eines der Schlüsselprobleme ist Strauss-Kahn zufolge der Ausgleich
der globalen Nachfrage. Es gebe Staaten mit Defiziten wie die USA und
andererseits Länder mit großen Handelsbilanzüberschüssen wie China,
Deutschland oder die ölproduzierenden Länder.
Es sei schon einiges getan worden bei den Finanzreformen, sagte
Strauss-Kahn. «Aber es braucht Zeit und die Öffentlichkeit ist
ungeduldig. Die Menschen fragen: Was tut ihr?»
Auch der italienische Notenbankgouverneur Mario Draghi warnte vor
Druck seitens der Finanzindustrie auf die Politik, «die Wirkung und
Glaubwürdigkeit neuer Standards zu verwässern». Notwendig sei ein
«schrittweiser, aber gezielter Ausweg» aus dem Krisenmanagement.
«Diejenigen Banken, die noch Probleme haben, brauchen spezielle
Lösungen und dürfen nicht das gesamte System in Geiselhaft nehmen.»
Beide sprachen sich grundsätzlich für Beiträge des Bankensektors
zur Bewältigung der Krise aus. «Ich glaube nicht, dass der
Steuerzahler ein zweites Mal wird einspringen wollen», sagte
Strauss-Kahn. «Sie brauchen irgendwo Ressourcen für eine weitere
Krise, Regulierung kann das Risiko nicht völlig ausschließen.» Der
IWF werde im April einen Bericht über die Vor- und Nachteile der
verschiedenen Möglichkeiten sowie Vorschläge vorlegen.
dpa dj xx z2 tst
