Rettungsschirm-Chef erwartet keine neue Euro-Krise (Mit Bild)
28.08.2010 13:10
Berlin (dpa) - Der Chef des Rettungsfonds für angeschlagene Euro-
Länder hält die Krise der Währungsunion für überwunden. «Ich fi
nde,
das Ergebnis der Stabilisierungsmaßnahmen spricht für sich: Der Kurs
des Euro ist gestiegen. Auch sonst haben sich Märkte beruhigt», sagte
Klaus Regling, Leiter der European Financial Stability Facility
(EFSF), der «Welt am Sonntag». «Nur wenige spekulieren noch darauf,
dass das Eurogebiet auseinanderbrechen könnte.» Der Rettungsschirm
soll Euroländern in finanzieller Schieflage helfen und war nach dem
drohenden Staatsbankrott Griechenlands und Problemen in anderen
Staaten im Frühjahr ins Leben gerufen worden.
Regling lobte die Bemühungen Griechenlands, sich aus der
Schuldenkrise zu befreien. «Bemerkenswert ist, dass die Regierung
sich auf eine breite Mehrheit in der Bevölkerung stützen kann. Das
kann konnte man nicht unbedingt erwarten. Griechenland hat im
vergangenen halben Jahr mehr getan als zugesagt.» Die EU hatte
Griechenland im März Kredite in Milliardenhöhe in Aussicht gestellt.
Im Gegenzug muss das Land Reformen in die Wege leiten.
Nachdem Schwierigkeiten auch in anderen Euro-Ländern wie Spanien
und Portugal in eine Panik an den Finanzmärkten auszuufern drohten,
wurde im Mai für den Notfall ein 750-Milliarden-Euro-Rettungsschirm
für die gesamte Euro-Zone ins Leben gerufen. Beteiligt ist daran auch
der Internationale Währungsfonds (IWF). Regling leitet die
entsprechende Behörde mit Sitz in Luxemburg seit dem 1. Juli.
Kritik, die deutschen Steuerzahler würden für die Versäumnisse der
Griechen zahlen, wies Regling entschieden zurück. Die
Wahrscheinlichkeit, dass die Bürgschaften in Anspruch genommen
würden, sei äußerst gering. Zudem müsste ein hilfsbedürftiges Lan
d
etwa fünf Prozent Zinsen für erhaltene Kredite zahlen, die EFSF könne
sich dieses Geld derzeit aber für zwei Prozent leihen - sie mache
also Gewinn. Der Zinsaufschlag käme den Ländern zugute, die bürgen.
Ähnlich sei es im Fall Griechenland. «Der deutsche Haushalt
profitiert von der Rettung Griechenlands», betonte Regling.
Der 59-Jährige sprach sich in der Zeitung für eine Verschärfung
des Stabilitätspakts und eine bessere Überwachung der
Wettbewerbsfähigkeit von EU-Ländern aus, um erneute Krisen zu
verhindern. Einen Europäischen Währungsfonds nach dem Vorbild des IWF
lehnte er jedoch ab. «Dieser Begriff weckt hohe Erwartungen und
klingt zu bürokratisch. Es ist auch nicht notwendig, so etwas Großes
zu schaffen.»
# dpa-Notizblock
## Redaktioneller Hinweis
- Der Bericht lag vorab in redaktioneller Fassung vor.
## Internet
- [The European Financial Stability
Facility](http://www.efsf.europa.eu)
