Serbien auf Konfrontation mit den Mächtigen der Welt Von Thomas Brey, dpa
02.09.2010 14:31
Noch eine Woche bis zum Showdown. Das kleine Serbien fordert in der
UN-Vollversammlung die Mächtigen der Welt offen heraus. Es geht
einmal mehr um das Kosovo. Serbien droht eine neue Isolation.
Belgrad (dpa) - Bundesaußenminister Guido Westerwelle hat es in
der letzten Woche in Belgrad ebenso wenig geschafft wie sein
britischer Kollege William Hague in dieser Woche. Serbien solle sich
mit dem Verlust seiner früheren Provinz Kosovo abfinden, hatten beide
Politiker von der Staats- und Regierungsspitze verlangt. Das arme
Balkanland solle seine Resolution zurückziehen, mit der es in der
UN-Vollversammlung am 9. September neue Verhandlungen über den
staatsrechtlichen Status des fast nur noch von Albanern bewohnten
Kosovos erzwingen will.
Doch Serbien bleibt hart. Der Kampf um das verlorene Kosovo sei
eine «verfassungsrechtliche Verpflichtung», zitierten die Zeitungen
Außenminister Vuk Jeremic am Donnerstag. Ein Rückzug der serbischen
UN-Resolution komme nicht in Frage. Zwei Drittel der UN-Mitglieder
unterstützten Serbien in dieser Frage. Träfe das zu, erlitten die
großen EU-Mitglieder samt den USA, Japan, Kanada, Saudi Arabien oder
der Türkei eine schwere diplomatische Niederlage. Denn sie alle haben
das Kosovo als jüngsten europäischen Staat anerkannt und wollen das
Problem nicht noch einmal verhandeln.
Der britische Botschafter Steven Wordsworth hat am Donnerstag in
der Zeitung «Press» noch einmal seinen Außenminister interpretiert:
Die serbische UN-Resolution «erweckt den Eindruck, dass die
Statusfrage für Kosovo auch weiter unentschieden ist und dass noch
Raum für weitere Verhandlungen über den Status besteht. Das ist aber
eine Illusion. Die Mehrheit der europäischen Staaten, mehr als 80
Prozent der EU-Mitglieder, mehr als 70 Prozent des Europarates und
über 60 Prozent der OSZE haben die Republik Kosovo als unabhängigen
Staat anerkannt.»
«Unsere Nachbarn kehren uns wieder den Rücken», titelte die
Zeitung «Novosti» am Donnerstag. Denn fast ausnahmslos wollen
Serbiens Nachbarn, die mit Pristina diplomatische Beziehungen
unterhalten, gegen die serbische UN-Resolution stimmen. Am Ende
könnte Serbien in der UN-Vollversammlung eine Mehrheit durch
afrikanische und asiatische Staaten finden, sich aber mit den für
Belgrad eigentlich wichtigen Staaten tief zerstritten haben. In
diesem Fall droht eine neue Isolation des Balkanlandes nach den
bitteren Erfahrungen zur Zeit des Autokraten Slobodan Milosevic in
den 90er Jahren.
Westliche Diplomaten in Belgrad können die halsstarrige Politik
Serbiens nicht logisch erklären. Denn sie haben den Serben immer
wieder klargemacht, dass sie nicht gegen die EU kämpfen können, wenn
sie genau dieser Union beitreten wollen. Die fundamentalistische
Kosovo-Position wird daher von vielen als Versuch der serbischen
Führung interpretiert, mit diesem emotional aufgeheizten Thema die
Bürger von der miesen Wirtschaftslage und dem Reformstau abzulenken.
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