Fitch senkt Bonität von fünf Ländern - Spanien und Italien betroffen

27.01.2012 20:35

Es war eine Herabstufung mit Ansage. Dennoch, dass Fitch die
Kreditwürdigkeit großer Volkswirtschaften wie Italien und Spanien
gleich um zwei Stufen senkt, dürfte die Euroretter vor ihrem Gipfel
am Montag weiter unter Druck setzen.

London (dpa) - Die Ratingagentur Fitch hat wie angedroht die
Kreditwürdigkeit von fünf Ländern der Eurozone - darunter Italien und

Spanien - herabgestuft. Die Bonitätsnote der dritt- beziehungsweise
viertgrößten Volkswirtschaft der Eurozone wurde gleich um zwei Noten
gesenkt, wie Fitch am Freitag in London mitteilte. Auch für
Slowenien ging es um zwei Noten nach unten. Bei Belgien und Zypern
wurde die Kreditwürdigkeit um eine Note gesenkt. Das Rating von
Irland wurde hingegen bestätigt.

Die Kreditwürdigkeit aller sechs Länder wurde mit einem negativen
Ausblick versehen. Es droht mit einer Wahrscheinlichkeit von 50
Prozent eine Herabstufung in den nächsten beiden Jahren.

Fitch hatte die sechs Länder im Dezember unter verschärfte
Beobachtung gestellt und seitdem ihr Rating überprüft. Managing
Director Edward Parker hatte die Herabstufung bereits vor eineinhalb
Wochen angekündigt. Italien war kurz zuvor bereits von der
Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) heruntergestuft worden.

Fitch begründet die Entscheidung am Freitag mit einer gesunkenen
Fähigkeit der Länder, auf Schocks zu reagieren. Die Ratingagentur
verweist auch auf den kurzfristig trüben wirtschaftlichen Ausblick.
Schlechtere Bonitätsnoten erschweren es Schuldnern in der Regel,
sich frisches Geld am Kapitalmarkt zu leihen.

Die Bonität Italiens wurde von Fitch von bisher «A+» auf «A-»

gesenkt. Durch die gestiegenen Zinsen für italienische Anleihen sei
eine neue Schuldendynamik entstanden, hieß es bei Fitch. In Spanien
habe sich der wirtschaftliche und fiskalische Ausblick
verschlechtert. Die Bonitätsnote sinke daher von «AA-» auf «A».
Zypern («BBB-») und Slowenien («A») wurden vor allem wegen Probleme
n
im Bankensektor herabgestuft. Bei Irland («BBB+») verzichtete Fitch
trotz der Drohung auf eine Herabstufung. Belgien hat jetzt nach der
Herabstufung mit «AA» (bisher «AA+») die drittbeste Note im System

von Fitch.

Ausgenommen von der Ratingentscheidung waren Länder mit der
Bestnote «AAA» sowie Portugal und Griechenland, deren Bewertung auf
Ramschniveau ist. Die Ratingagentur S&P hatte zuletzt bei ihrem
Rundumschlag am 13. Januar auch «AAA»-Länder wie Frankreich und
Österreich herabgestuft.

Die Finanzmärkte reagierten sehr gelassen auf die Nachricht. Der
Eurokurs stieg sogar auf ein neues Tageshoch von 1,3220 US-Dollar.
Der US-Aktienmarkt reagierte kaum. Die Entscheidung sei am Markt
bereits erwartet worden, sagten Händler. Zudem bewerte Fitch die
meisten Länder besser als Standard & Poor's.

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