Leichte Entspannung an Finanzmärkten - Nervosität bleibt

16.05.2012 18:34

An den Börsen bleiben die Kurse auf Berg- und Talfahrt. Spanien und
Italien stehen besonders im Fokus. Die Verunsicherung ist groß und
Griechenlands Zukunft in der Eurozone ungewisser denn je.

Rom/Madrid/Frankfurt/Main (dpa) - Das Griechenland-Drama hält die
Finanzmärkte gefangen. Die Berg- und Talfahrt setzte sich am Mittwoch
fort. Nach anfänglich deutlichen Verlusten kam es im Tagesverlauf zu
einer leichten Stabilisierung. An den Anleihemärkten Spaniens und
Italiens entspannte sich die Lage etwas, nachdem die Renditen zuvor
deutlich gestiegen waren. Zunächst habe die ungewisse politische
Zukunft in Griechenland die Anleihekurse noch stark belastet, sagten
Händler.

Im Tagesverlauf verbesserte sich die Stimmung an den Finanzmärkten
jedoch. Dazu hätten auch positiv aufgenommene Konjunkturdaten aus den
USA beigetragen. Auch der Eurokurs erholte sich etwas und lag wieder
über 1,27 US-Dollar.

Angesichts der anstehenden Wahlen in Griechenland am 17. Juni
dürfte die Lage an den Anleihemärkten der Randländer der Eurozone
jedoch angespannt bleiben, warnten Händler. Auch eine nachhaltige
Erholung des Eurokurses sei nicht zu erwarten.

In Italien stieg die Rendite für zehnjährige Staatspapiere am
Mittwoch kurzzeitig wieder über die Marke von 6 Prozent, im
Tagesverlauf fiel sie dann wieder darunter. Die Marke von 6 Prozent
gilt als kritisch, weil eine dermaßen teure Staatsrefinanzierung auf
Dauer nicht tragbar ist. In Spanien liegt die Zehnjahresrendite mit
zuletzt 6,225 Prozent schon deutlich über der Sechs-Prozent-Schwelle.
Die Risikoaufschläge im Vergleich zu deutschen Staatsanleihen
erreichten zeitweise Rekordhöhe.

Hauptgrund für die Turbulenzen an den Finanzmärkten ist die
brisante Lage in Griechenland, wo im Juni abermals Neuwahlen mit
höchst ungewissem Ausgang anstehen. Selbst ein Austritt Griechenlands
aus dem Währungsraum - mit kaum vorhersehbaren Konsequenzen für das
Land und den Euroraum - gilt als möglich.

Auch an den Aktienmärkten Europas bleiben die Anleger nervös. «Das

griechische Drama belastet die Märkte schwer», sagte ein Händler in
London. Am Mittwoch schlossen die Märkte nach einem wechselhaften
Handelsverlauf unterschiedlich. Der europäische Leitindex EuroStoxx
50 und der deutsche Leitindex Dax verloren geringfügig,
Anfangsverluste wurden großteils wettgemacht. An der Börse in Madrid
war es zum Handelsstart noch zu panikartigen Verkäufen gekommen. In
Paris verbuchte der Leitindex leichte Gewinne.

Gute Konjunkturdaten aus Übersee haben laut Händlern dafür
gesorgt, dass sich die Märkte nach ihren jüngsten Abgaben erst einmal
stabilisierten. Die Industrieproduktion in den USA war stärker als
erwartet gestiegen, und zudem gab es zum Teil positive Daten vom
Immobilienmarkt zu vermelden.

Bereits an den vergangenen Tagen hatte sich die Lage an den
Anleihemärkten sowohl in Italien als auch in Spanien - die dritt- und
viertgrößte Euro-Wirtschaft - deutlich verschlechtert. In Italien
stieg die Rendite im richtungsweisenden Zehnjahresbereich allein
binnen Wochenfrist um fast 0,7 Prozentpunkte. Im Nachbarland Spanien
legte sie seit vergangener Woche noch stärker um fast 0,8
Prozentpunkte zu. Viel drastischer ist die Lage in Griechenland, wo
die Rendite zehnjähriger Staatspapiere binnen Wochenfrist um fast
zehn Prozentpunkte auf rund 30 Prozent gestiegen ist. Griechenland
hängt allerdings am Finanztropf der Geldgeber von EU und
Internationalem Währungsfonds (IWF).

Im Gegensatz dazu sind Staatsanleihen aus Deutschland, die unter
Anlegern als besonders sicher gelten, stark gefragt. Zehnjährige
Bundesanleihen rentieren zurzeit mit 1,45 Prozent in der Nähe ihres
Rekordtiefs. Der Renditeabstand italienischer und spanischer
Staatstitel ist entsprechend hoch.

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