USA mahnen Europa vor G8-Gipfel: Mehr gegen die Krise tun

17.05.2012 06:30

Gastgeber Obama hat sich noch mit keinem Wort zum G8-Gipfel
geäußert. Dafür lässt er seinen Sprecher Dampf machen. Tenor: Europ
a
muss für mehr Wachstum sorgen. Dann ist da noch die Sache mit den
Ölreserven. Eins ist sicher: Gipfelstreit ist vorprogrammiert.

Washington/Brüssel (dpa) - Die USA haben Europa vor dem G8-Gipfel
aufgerufen, entschlossener gegen die Wirtschafts- und Finanzkrise
vorzugehen. Zwar wolle man Europa keine Vorschriften machen. Doch es
müssten «weitere Schritte» unternommen werden, sagte
Regierungssprecher Jay Carney am Mittwoch in Washington. Dabei gehe
es vor allem um mehr Wachstum und um mehr Jobs.

Doch die Europäer haben sich schon auf Gipfelzwist vorbereitet.
Sie wollen sich keine Vorwürfe gefallen lassen. Und verweisen auf
Obamas Schuldenberg.

US-Präsident Barack Obama, der immer mehr um seine Wiederwahl im
November bangen muss, äußerte sich zwar persönlich noch nicht zum
Treffen der größten Industrieländer und Russlands (G8), das am
Freitag in Camp David bei Washington beginnt. Doch sein Sprecher
machte erneut unmissverständlich deutlich, dass Obama seit längerem
unzufrieden ist mit den Europäern.

Obama mahne bereits seit Jahren mehr Unterstützung für Wachstum
an, sagte Carney vor Journalisten im Weißen Haus. «Wir sagen seit
einiger Zeit, dass Wachstum ein Faktor sein muss in Europa.» Es gehe
um einen «ausgeglichenen Ansatz», der Sparen, aber auch
Wirtschaftswachstum ins Auge fasse.

Obama wolle sich bei den zweitägigen Beratungen vor allem für mehr
Wachstum und mehr Jobs einsetzen. «Sie müssen die Notwendigkeit von
Wachstum in Europa ansprechen sowie die Notwendigkeit, den Menschen
Arbeit zu geben, vor allem jungen Menschen in Europa», formulierte
Carney die Botschaft seines Chefs.

Doch bereits wenige Stunden zuvor hatten die Europäer
signalisiert, dass sie sich in Camp David gegen US-Kritik an ihrem
Management der Schuldenkrise wehren wollten. «Wir werden das in den
richtigen politischen und wirtschaftlichen Kontext setzen», sagte ein
Diplomat in Brüssel.

So gebe es in der EU Wachstumsunterschiede - einige Länder seien
tatsächlich in der Rezession, andere legten jedoch zu, beispielsweise
Deutschland.

Andere Experten wiesen auf den ungesunden US-Haushalt hin. Die USA
und Japan hätten hohe Budgetdefizite von über 8 Prozent ihrer
jährlichen Wirtschaftsleistung, während die Eurozone im Schnitt im
laufenden Jahr auf gut 3 Prozent komme.

Als mögliches weiteres Streitthema in Camp David gelten die
Ölreserven. Zwar wollte Carney Berichte nicht eindeutig bestätigen,
wonach die USA einen Vorstoß für eine breit angelegte Freigabe von
Ölreserven starten wollten. «Ich habe keinen Kommentar zu den
strategischen Ölreserven», sagte er.

Allerdings fügte der Sprecher hinzu: «Beim G8-Gipfel steht die
Weltwirtschaft auf der Tagesordnung. Der globale Ölmarkt ist Teil der
Weltwirtschaft.»

Der um seine Wiederwahl kämpfende Obama könnte nach Informationen
der Nachrichtenagentur dpa die europäischen Partner dazu
auffordern, die Freigabe von Ölreserven zu unterstützen. Ziel sei es,
die Preise zeitweilig zu drücken und dadurch Industrie und Wirtschaft
zu helfen.

Wirtschaft und Jobs sind das zentrale Thema im US-Wahlkampf:
Obama muss fürchten, im November zu verlieren, wenn die Konjunktur
nicht bald anspringt.

Wie in Brüssel weiter bekanntwurde, ist ein solches Vorhaben im
Kreis der größten Industriestaaten und Russlands aber umstritten.
Während Großbritannien und Frankreich offen für den Vorstoß aus
Washington seien, betrachte Deutschland das Vorhaben mit Skepsis.

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## Internet
- [EU-Mitteilung zu G8-Gipfel](http://dpaq.de/kQVz2)