Bidsina Iwanischwili - Milliardär will Georgien in EU und Nato führen Von Ulf Mauder, dpa

25.10.2012 15:45

Georgiens neuer Regierungschef Iwanischwili ist der reichste Mann des
Landes. Deshalb hoffen viele Menschen in dem verarmten Kaukasusland
nun auf mehr Wohlstand. Das hat der Milliardär versprochen.

Tiflis (dpa) - Als reichster Mann Georgiens mit einem
Milliardenvermögen hat sich Bidsina Iwanischwili lange Zeit mit
diskreten Wohltaten in dem Südkaukasusstaat einen Namen gemacht. Doch
nun ist der 56-Jährige neuer Regierungschef - rund ein Jahr, nachdem
er auf die politische Bühne trat. Mit seinem Wahlsieg am 1. Oktober
hat er das Machtmonopol des wegen seines Führungsstils umstrittenen
Präsidenten Michail Saakaschwili gebrochen.

Nun will er gemeinsam mit seinem Gegner Saakaschwili eine
prowestliche Politik durchsetzen. Doch die «Doppelmacht» mit ihm als
Hoffnungsträger und einem angeschlagenen Präsidenten in der
Opposition bedeute schwere Arbeit, meint der neue Premier.

«Es wird sehr schwer, aber wir werden machen, was wir versprochen
haben», sagte der hagere Mann am Donnerstag im Parlament. Er weiß,
dass die meisten der mehr als vier Millionen Einwohner des Landes am
Schwarzen Meer auf mehr Wohlstand hoffen. Deshalb gaben sie dem
Oppositionsbündnis Georgischer Traum ihre Stimme für den
Machtwechsel.

Er wolle die Gewalt gegen die Menschen durch die Behörden in
seiner Heimat beenden und für ein gerechtes Miteinander sorgen, sagt
Iwanischwili unlängst bei einem Treffen mit der Deutschen
Presse-Agentur in seiner Villa in Tiflis.

Von hier oben - und für alle Georgier sichtbar - schaut er nicht
nur auf den neuen Palast, den sich Saakaschwili hat bauen lassen.
Iwanischwilis von dem japanischen Architekten Shin Takamatsu
entworfenes Anwesen aus Glas und Stahl überragt auch das Patriarchat
von Ilia II. Die einflussreiche georgisch-orthodoxe Kirche hat dem
Oligarchen viele Spenden zu verdanken.

Iwanischwili, der am 18. Februar 1956 in dem Dorf Tschorwila als
Sohn eines Bergarbeiters geboren wurde, hat aus einer Laune heraus
seine Bewegung Georgischer Traum genannt. Der Name geht zurück auf
die Band seines Sohnes Bera, eines bekannten georgischen Rapmusikers.

Reich wurde Iwanischwili nach dem Zerfall der Sowjetunion in
Russland mit Metallhandel, einer eigenen Bank und
Immobiliengeschäften. Er beteuert, dass er Georgiens prowestlichen
Kurs beibehalten wolle. «Die Menschen hier wollen in die EU und in
die Nato. Das ist auch mein Ziel», sagt er. Zugleich will er bessere
Beziehungen zum Nachbarn Russland.

Der promovierte Ökonom, der auch in den USA und in Frankreich
lebte, verspricht einen Kampf gegen die Armut und Arbeitslosigkeit,
eine Stärkung des Mittelstandes und der Agrarwirtschaft in dem für
seine Weinkultur und seinen Obstreichtum bekannten Land. Bekannt ist
er auch in der Kunstwelt für seine ersteigerten Werke, die nach
seinen Angaben heute allein einen Wert von mehr als einer Milliarde
Dollar hätten.

Er achte auf seine Figur, treibe Sport und liebe Yoga, sagt der
Vater von vier Kindern. In seinem Heimatort Tschorwila im Westen
Georgiens verehren ihn die Bewohner bisweilen wie ein Heiligen. Dort
schwärmen die Menschen, dass er ihnen zum Beispiel die
Krankenversicherung zahle. Von einem kleinen Wohlstand träumen auch
viele Wähler in Georgien.



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