Experte: Abwanderung von Managern kein entscheidender Faktor Interview: Sebastian Fischer, dpa
05.03.2013 09:50
Berlin (dpa) - Wenn man oben mehr Geld rein steckt, kommt unten
mehr raus? Vereinfacht gesagt haben so Unternehmen den Nutzen von
Millionen-Bezügen für ihre Vorstände und Manager interpretiert. Ob
sie auch wirklich besser arbeiten, erklärte Professor Marcel Tyrell,
Finanzwissenschaftler an der Zeppelin Universität in Friedrichshafen,
in einem Interview mit der Nachrichtenagentur dpa.
Sind teure Manager auch die besseren Manager?
Tyrell: «Das hängt davon ab, in welchen Firmen die teuren Manager
arbeiten. Es gibt einen Zusammenhang zwischen Firmengröße, Firmenwert
und Managergehältern. Ob die nun auch besser sind, darüber streitet
sich die Wissenschaft. Grundsätzlich kann man schon sagen, das
produktivere Manager, wenn sie bessere Ideen haben, die Leistung des
Unternehmens steigern. Die Frage bleibt aber, welche Absolutgehälter
sie dafür kassieren sollten.»
Es gibt ja das Argument, die guten Manager würden ins Ausland
abwandern, wo höhere Gehälter und Boni locken ...
Tyrell: «Dieses Argument ist nicht stark zu gewichten.
Managergehälter steigen nämlich in der Hauptsache wegen verschärfter
Wettbewerbsbedingungen innerhalb eines Landes. In den letzten 10 bis
15 Jahren ist nur ein geringer Anteil an Managern aus Top-Positionen
deutscher Unternehmen in Top-Positionen ausländischer Unternehmen
gewechselt, obwohl in anglo-amerikanischen Unternehmen weit höhere
Boni gezahlt werden. Dieser Wettbewerbseffekt ist nicht so hoch, wie
behauptet wird.»
Also ist Geld nicht der bedeutendste Entscheidungsfaktor?
Tyrell: «Wichtig ist: Wie gut kennt ein Manager das Unternehmen?
Seine Leistung, die in einem Unternehmen vielleicht recht gut ist,
kann in einem anderen Unternehmen im Ausland unter anderen
Bedingungen und innerhalb einer anderen Kultur ganz anders sein. Aber
auch der Lebensmittelpunkt spielt eine Rolle. Es gibt viele - nicht
nur unter den Managern - die in dem Moment nach Deutschland
zurückgekommen sind, wenn sie Kinder und Familie gegründet haben oder
wenn die Kinder in die Schule gingen. Sie haben sich einfach in ihrem
Heimatland kulturell dann doch noch wohler gefühlt.»
Managergehälter steigen mit dem Erfolg des Unternehmens - und bei
Misserfolg? Was dann?
Tyrell: «Man muss in Zukunft die Gehaltsstrukturen längerfristig
gestalten. Wenn Gehälter an die Effizienz gekoppelt sind, dann müssen
die Boni in eine Art Treuhandkonto überführt werden. Sie werden dann
erst ausgezahlt, wenn die Manager die Firma verlassen - oder besser
noch viel später. Damit können zwischenzeitliche Verluste noch auf
diesem Treuhandkonto ausgeglichen werden. Nicht, dass ein Manager
nach drei Jahren das Unternehmen verlässt, dabei aber Risiken
angehäuft sind, die sich erst fünf Jahre später in schlechteren
Marktwerten ausdrücken und offenbar werden.»
