Steinmeier und Macron beschwören deutsch-französische Freundschaft Von Thomas Lanig und Christian Böhmer, dpa

10.11.2017 18:40

Auf einem Gipfel in den Vogesen erinnern die Staatschefs aus Berlin
und Paris an die Toten des Ersten Weltkriegs. Die schrecklicke
Vergangenheit ist stets präsent. Doch Frank-Walter Steinmeier und
Emmanuel Macron blicken auch in die Zukunft.

Hartmannsweilerkopf (dpa) - Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier
und sein französischer Amtskollege Emmanuel Macron haben die
Freundschaft ihrer Länder beschworen und gemeinsam für Reformen in
Europa geworben. «Nur wenn Frankreich und Deutschland zusammenstehen,
kann Europa wirklich gelingen», sagte Steinmeier am Freitag auf dem
Hartmannsweilerkopf im Elsass. Die beiden Staatschefs weihten dort
bei eisigem Winterwetter das erste deutsch-französische Museum zum
Gedenken an die Toten des Ersten Weltkriegs ein. Es soll die
Versöhnung der beiden EU-Kernländer symbolisieren.

Macron forderte eine Neugründung Europas, die Antworten gebe müsse
auf die drängenden Fragen der Bürger. Der 39-Jährige hatte bereits
weitgehende Reformvorschläge gemacht. «Die deutsch-französische
Eintracht ist das eindrücklichste Beispiel, was unser Wille zum
Frieden verwirklichen kann.»

Der über ein Jahr lang umkämpfte Hartmannsweilerkopf in den Vogesen
ist wegen der 30 000 Toten als «Menschenfresser» bekannt geworden.
«Das massenhafte Sterben an diesem Ort steht für den Irrsinn des
Krieges», sagte Steinmeier.

Die beiden Staatschefs besuchten frühere Schützengräben und
debattierten mit Schülern. «Nicht dieser Berg ist ein Menschenfresser
- der Nationalismus ist ein Menschenfresser», so Steinmeier. Auf
Französisch heißt der Berg Vieil Armand oder Hartmannswillerkopf. Der
Erste Weltkrieg dauerte von 1914 bis 1918.

Steinmeier verurteilte deutlich übertriebenen Patriotismus und
Nationalismus. Jede Generation müsse für sich aufs Neue erlernen,
«die Idee der Nation von der Ideologie des Nationalismus» zu
unterscheiden. Mit Blick auf neue rechtspopulistische Parteien wie
die AfD sagte Steinmeier, die eine Heimat dürfe nicht gegen die
andere ausgespielt, die eigene Nation nicht über die andere gestellt
werden. Die Erinnerung an die blutige Vergangenheit sei Verpflichtung
für eine gemeinsame Zukunft.

Steinmeier unterstützte bei seinem eintägigen Frankreich-Besuch, der
in Paris begann, demonstrativ den europapolitischen Elan Macrons. Mit
Blick auf Macrons Reformvorschläge für die EU fügte er hinzu: «Und

ich bin mir sicher, dass dieser Schwung, der von der Sorbonne-Rede
ausging, auch von einer neuen Bundesregierung aufgenommen werden
wird.»

In dieser Rede hatte der französische Staatschef ehrgeizige Pläne zur
Weiterentwicklung der EU vorgelegt. Manche Forderungen wie ein
Haushalt für die Eurozone sind in Deutschland jedoch umstritten.

Macron sagte, er glaube, «dass wir beide das Gefühl teilen, dass
diese Neugründung notwendig und dringend ist, und dass das kommende
Jahr in dieser Hinsicht entscheidend ist».

Macron plädierte für eine «gemeinsame Lektüre» der
deutsch-französischen Geschichte. «Was wir heute tun, (...) ist, eine
gemeinsame Geschichte zu bauen, weil sie der Sockel einer gemeinsamen
Zukunft ist.»

Steinmeier sagte, es sei wichtig, daran zu erinnern, «wo wir
eigentlich herkommen» - gerade in einer Zeit, «in der wir noch ringen
um Wege aus der europäischen Krise». «Frankreich und Deutschland sind

sich beide ihrer Verantwortung für die Zukunft Europas bewusst»,
versicherte er. Die Annäherung Deutschlands und Frankreichs nach dem
Zweiten Weltkrieg gilt als Grundpfeiler der Europäischen Union.



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