IWF sieht Wirtschaftswachstum in Europa auf Kurs

13.11.2017 11:14

In Europas Wirtschaft läuft es derzeit insgesamt rund - von einigen
Problemen vor allem auf dem Arbeitsmarkt einmal abgesehen. Der
Internationale Währungsfonds erwartet weiter eine gute Entwicklung.
Aber es gibt auch mahnende Töne.

Washington/Sarajevo (dpa) - Europa wird nach Einschätzung des
Internationalen Währungsfonds (IWF) immer mehr zur Zugmaschine der
Weltwirtschaft. In seinem am Montag veröffentlichten regionalen
Ausblick erklärte der Fonds: «Die europäische Erholung hat sich
verstärkt und merklich verbreitert.» Das Wachstum in Europa liefere
einen großen Beitrag zur Steigerung der globalen Wirtschaftsleistung.

Die Analyse des IWF bezieht sich auf den gesamten Kontinent, nicht
nur auf die Länder der EU. Eine Rolle spielen dabei auch Staaten wie
Ungarn, Polen, Russland und die Türkei. Vorgestellt wurde die Analyse
im bosnischen Sarajevo.

Die Experten der internationalen Organisation, die auch Finanzhilfen
für angeschlagene Volkswirtschaften gegen Reformzusagen bereitstellt,
betonten, dass es jedoch weiter Ungleichgewichte gebe. So bleibe die
Entwicklung am Arbeitsmarkt in den Ländern Europas unterschiedlich.

In einigen wirtschaftlich noch schwächeren Staaten hätten die
Arbeitslosenquoten das Niveau vor der letzten großen Krise erreicht -
ebenso in einigen hoch entwickelten Ländern. Die meisten
Schwellenländer profitierten von einem robusten Lohnwachstum. In
vielen fortgeschrittenen Ländern Europas blieben diese Steigerungen
hingegen schwach. Zuvor hatte auch die Europäische Zentralbank (EZB)
auf die verhaltene Lohnentwicklung in der Eurozone hingewiesen.

Auf mittlere Sicht gebe es eine Reihe von Wachstumsrisiken, warnt der
IWF. Er verweist auf die ungünstige Bevölkerungsentwicklung in den
zunehmend älter werdenden Gesellschaften und auf das verhaltende
Produktivitätswachstum. Die Politik sollte daher die verbesserten
allgemeinen Aussichten nutzen und die Staatsfinanzen festigen. Zudem
sollten die Wirtschaftsstrukturen reformiert werden, um künftig
Schocks besser auffangen zu können. Gerade Staaten mit soliden
Staatsfinanzen müssten hier ihre Spielräume nutzen.

Da die Inflation in weiten Teilen Europas niedrig sei, könnten die
meisten Notenbanken in Europa ihre Geldpolitik locker halten. Das
Zinsniveau ist nach wie vor ebenfalls extrem gering - was Kredite und
Investitionen billig hält, aber Sparer schwer belastet. Um die
Eurozone widerstandsfähiger zu machen, ist laut IWF eine Vollendung
der Banken- und Kapitalmarktunion notwendig.

Bereits in seinem Oktober-Ausblick hatte der IWF die Prognosen für
Europa deutlich angehoben. So rechnet er hier im Jahr 2017 insgesamt
mit einem Wachstum von 2,4 Prozent, 2018 dann von 2,1 Prozent. In der
Eurozone werden 2,1 Prozent (2017) und 1,9 Prozent (2018) erwartet.



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