EU: Gefahr durch resistente Keime wächst immer noch

15.11.2017 10:54

Brüssel (dpa) - Die Europäische Union warnt vor einer Zunahme von
besonders widerstandsfähigen Erregern, gegen die gleich mehrere
Antibiotika nicht mehr wirken. 2016 wurden solche Multiresistenzen
unter anderem bei dem weit verbreiteten Darmkeim Escherichia coli
nachgewiesen, wie das Europäische Präventionszentrum ECDC am Mittwoch
in Brüssel anlässlich des 10. europäischen Antibiotika-Aktionstags
mitteilte. Dies sei besorgniserregend, weil es für Patienten, die mit
solchen Keimen infiziert sind, kaum noch Behandlungsoptionen gebe.

Gleichwohl sehen die Wissenschaftler auch Lichtblicke: Bei dem
ebenfalls sehr weit verbreiteten Bakterium Klebsiella pneumoniae, das
Atem- und Harnwegserkrankungen auslösen kann, stabilisiere sich die
Lage. Und bei Staphylococcus aureus, der ebenfalls für schwerwiegende
Krankheiten bis hin zu Lungenentzündung und Blutvergiftung
verantwortlich ist, sei der Anteil der multiresistenten Keime
zwischen 2013 und 2016 weiter zurückgegangen. Man sehe inzwischen
kleine Fortschritte, erklärte ECDC-Direktorin Andrea Ammon.

Als Ursache von Resistenzen gilt, dass bakterienbekämpfende
Antibiotika zu häufig und oft falsch eingesetzt werden. Durch
Genmutationen entwickeln sich die Keime so weiter, dass ihnen die
Medikamente nichts mehr anhaben können. Multiresistent heißt, dass
mehrere unterschiedliche Mittel nicht mehr wirken, in einigen Fällen
sogar fast keine der verfügbaren Antibiotika.

Wissenschaftler mahnen deshalb seit Jahren, die Mittel nur sparsam
und gezielt einzusetzen und nicht etwa flächendeckend zur Vorbeugung
in der Viehzucht. Patienten wird geraten, Antibiotika wie verordnet
bis zum Schluss zu nehmen, um bei einer Krankheit wirklich alle
schädlichen Bakterien abzutöten.



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