Deutschland bei Bezahlung von Frauen fast Schlusslicht in Europa

20.11.2017 12:03

Brüssel (dpa) - Die Kluft bei der Bezahlung von Männern und Frauen
ist fast nirgends in Europa so groß wie in Deutschland. Mit 22
Prozent Differenz beim durchschnittlichen Stundenlohn liegt die
Bundesrepublik auf Platz 26 von 28 EU-Ländern. Diese Zahlen legte die
EU-Kommission am Montag in Brüssel vor. Dahinter folgen nur noch
Tschechien mit 22,5 und Estland mit 26,9 Prozent.

Der Durchschnitt in der EU liegt bei 16,3 Prozent. In den führenden
Ländern Italien und Luxemburg macht der Unterschied nur 5,5 Prozent
aus. Gründe für die unterschiedliche Bezahlung sind nach Angaben der
Kommission: Frauen haben seltener gut bezahlte Chefposten, sie nehmen
häufiger als Männer Auszeiten vom Beruf für Kinder oder Pflege und
sie haben häufiger Berufe mit niedrigen Löhnen.

Die EU-Kommission will die Kluft mit einem Aktionsplan bis zum Ende
ihrer Amtszeit 2019 schließen, wie sie am Montag ankündigte. In dem
Rahmen will sie alle Verantwortlichen drängen, das garantierte Recht
auf gleiche Bezahlung durchzusetzen. Sie appelliert an die
Mitgliedsstaaten und das Europaparlament, einen Vorschlag zu
beruflichen Auszeiten schnell zu verabschieden. Und sie will Projekte
zur Förderung von Frauen in Führungspositionen finanzieren.

EU-Gleichstellungskommissarin Vera Jourova schlug einen Bogen von der
Bezahlung zur Debatte über sexuelle Belästigung und Gewalt: «Die
Einkommenslücke zwischen den Geschlechtern muss geschlossen werden,
denn wirtschaftliche Unabhängigkeit von Frauen ist ihr bester Schutz
vor Gewalt.»



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