EU fordert stärkere Hausarztsysteme und mehr Gesundheitsvorsorge

23.11.2017 13:00

Brüssel (dpa) - Mehr Vorsorge, eine wichtigere Rolle für den
Hausarzt: Die EU-Kommission drängt die Mitgliedsstaaten zur Reform
ihrer Gesundheitssysteme. «Nur drei Prozent der Gesundheitsbudgets
für Prävention auszugeben - im Vergleich zu 80 Prozent für die
Behandlung von Krankheiten - ist einfach nicht genug», mahnte
EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis am Donnerstag in
Brüssel. Gute Hausarztsysteme könnten zudem den Ansturm auf
Notdienste bremsen.

Eine stärkere Rolle für den Hausarzt wird auch in Deutschland seit
Jahrzehnten diskutiert. Die Praxisgebühr sollte helfen, Hausärzte zur
ersten Anlaufstation zu machen und Besuche bei teuren Spezialisten zu
verringern. Die Rede war vom «Lotsen im Gesundheitswesen». Die Gebühr

war allerdings sehr unbeliebt und wurde 2013 wieder abgeschafft.

Die EU-Kommission kommt nun in einem Bericht zu dem Schluss, dass
starke Hausarztsysteme Patienten durchs Gesundheitssystem leiten und
Kosten vermeiden könnten. Sie bezieht dies auch auf europaweit viele
überflüssige Besuche in der Notaufnahme: 27 Prozent davon wären zu
vermeiden, wenn genügend Hausärzte zur Verfügung stünden, hieß es
.

Auch Gesundheitskampagnen und Vorsorge könnten die Systeme entlasten
und effizienter machen, erklärte die Kommission weiter. Dafür müsse
nicht nur mehr ausgegeben werden; es gelte auch, mehr ärmere Menschen
zu erreichen, denn etwa bei Krebsvorsorge oder Bewegung gebe es große
Unterschiede je nach Einkommen und Bildungsgrad.

Desweiteren mahnt die EU, die Zahl der benötigten Ärzte und
Pflegekräfte genau zu planen. In der EU gebe es derzeit 18 Millionen
Beschäftigte im Gesundheitswesen. Weitere 1,8 Millionen Jobs würden
bis 2025 entstehen.



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