IW-Bericht: Brexit schwächt britische Wirtschaft deutlich

25.11.2017 05:15

London/Köln (dpa) - Die wirtschaftlichen Folgen des britischen
EU-Ausstiegs könnten weitaus drastischer sein, als es die jüngsten
Wirtschaftszahlen aus London vermuten lassen. Das geht aus einem
Bericht des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) von dieser Woche
hervor. Der britische Finanzminister Philip Hammond hatte bei der
Vorstellung des Haushalts Mitte der Woche leicht nach unten
korrigierte Wachstumsprognosen für die nächsten Jahre vorgestellt.

Betrachtet man die Prognosen aber über einen längeren Zeitraum, zeigt
sich ein anderes Bild: Dem IW-Bericht zufolge sind die
Wachstumserwartungen für das britische Bruttoinlandsprodukt im
Zeitraum 2016 bis 2020 inzwischen um fünf Prozentpunkte niedriger als
vor dem Brexit-Wahlkampf. Die Prognose für das Wachstum der
Firmeninvestitionen für den gleichen Zeitraum ist sogar um 30
Prozentpunkte eingebrochen, das entspricht knapp drei Vierteln des
erwarteten Wachstums. Auch für die Konsumausgaben ergibt sich ein
düsteres Bild - ihr erwarteter Anstieg verlangsamte sich ebenfalls um
5 Prozentpunkte. «Das ist zweifellos auch der Verunsicherung durch
den Brexit zuzuschreiben», heißt es in dem IW-Bericht.

Grundlage für diese Einschätzung sind Zahlen des Office for Budget
Responsibility, einer unabhängigen britischen Behörde. Die
IW-Experten nahmen Zahlen vom Herbst 2015 - aus der Zeit vor dem
Referendumswahlkampf - zur Grundlage ihrer Berechnungen. Damals waren
die Experten noch weit optimistischer, was die Entwicklung der
britischen Wirtschaft angeht. Doch das hat sich seitdem geändert. Die
Wachstumsperspektiven seien dem IW-Papier zufolge seitdem immer
weiter zurückgenommen worden.

«Der Brexit schwächt also schon in Gegenwart und naher Zukunft die
ehemals so starke britische Wirtschaft», heißt es dort. Es ändere
auch nichts, dass der Wachstumseinbruch für die unmittelbare Zeit
nach dem Brexit-Votum geringer war als befürchtet. Befürworter eines
britischen EU-Austritts hatten sich bereits in der Ansicht bestätigt
gesehen, dass Warnungen vor den wirtschaftlichen Folgen des
EU-Ausstiegs übertrieben gewesen seien. Stimmt nicht, sagen nun die
IW-Experten.



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