Neue Provokation Nordkoreas: Kim startet Rakete - Trump zurückhaltend

28.11.2017 22:46

Nordkorea testet erneut eine ballistische Rakete. Südkoreas Militär
reagiert mit Militärübungen, US-Präsident Trump äußert sich
auffallend zurückhaltend. Der Raketenstart ist der erste von
Machthaber Kim Jong Un seit rund zweieinhalb Monaten.

Seoul/Washington (dpa) - Erstmals seit zweieinhalb Monaten hat
Nordkorea wieder eine ballistische Rakete abgefeuert. Nach ersten
Erkenntnissen handelte es sich um eine Langstreckenrakete. Die Rakete
sei von Pyongsong in der Provinz Süd-Pyongan in östliche Richtung
abgefeuert worden, meldete die südkoreanische Nachrichtenagentur
Yonhap am frühen Mittwochmorgen (Ortszeit) unter Berufung auf das
Militär in Seoul. Der neue Raketentest stieß international auf
scharfe Kritik.

US-Präsident Donald Trump reagierte allerdings sehr verhalten. «Das
ist eine Situation, mit der wir umgehen werden», sagte Trump vor der
Presse im Weißen Haus. Der Raketenstart ändere nichts an der
Nordkorea-Politik der USA. Der US-Präsident war über die Situation
unterrichtet worden, noch während die Rakete in der Luft war, wie
seine Sprecherin Sarah Sanders via Twitter mitteilte.

Die Rakete ist nach Angaben von US-Verteidigungsminister James Mattis
so hoch geflogen wie nie zuvor. Wegen der großen Reichweite der
Rakete sei dies grundsätzlich eine Bedrohung für jedes Land der Welt.
Mattis sagte an der Seite Trumps, offensichtlich setze Nordkorea
seine Bemühungen zum Bau einer Interkontinentalrakete fort.

Südkorea reagierte nur fünf Minuten nach dem Start der Rakete mit
eigenen Manövern und schoss drei Raketen für Zielübungen ins Meer ab.

Südkoreas Präsident Moon Jae In rief in Seoul seinen Sicherheitsrat
zu einer Krisensitzung zusammen. Japans Regierung nannte den Test
«völlig inakzeptabel». Ministerpräsident Shinzo Abe kündigte an,
den
Druck auf Nordkorea «maximieren» zu wollen. Japan werde eine
Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrates beantragen.

Nach ersten Erkenntnissen handelte es sich um eine nordkoreanische
Interkontinental-Rakete, wie das Pentagon in Washington mitteilte.
Der Flugkörper sei um 17.17 Uhr MEZ abgefeuert worden und nach einer
Flugstrecke von rund 1000 Kilometern gen Osten ins Japanische Meer
gestürzt. Potenziell können Interkontinental-Raketen, abgefeuert von
Nordkorea, auch US-Gebiete erreichen.

«Das nordamerikanische Luftraum-Verteidigungskommando (NORAD) hat
festgestellt, dass der Raketentest keine Gefahr für Nordamerika,
unsere Gebiete oder unsere Verbündeten dargestellt hat», teilte das
Pentagon mit. «Wir sind weiterhin darauf vorbereitet, uns selbst oder
unsere Verbündeten vor jeder Art von Angriff oder Provokation zu
verteidigen.»

Die Rakete ist nach japanischen Angaben etwa 50 Minuten geflogen und
wahrscheinlich in der Wirtschaftszone Japans im Japanischen Meer
gelandet. Verteidigungsminister Itsunori Onodera teilte in Tokio mit,
die Rakete sei westlich der Präfektur Aomori niedergegangen. Auch
Onodera berichtete, die Rakete sei so hoch wie nie zuvor geflogen.

Mit der Flughöhe hätte die Rakete auch mehr als 10 000 Kilometer
fliegen können, berichtete die südkoreanische Nachrichtenagentur
Yonhap. Damit sei das 7500 Kilometer entfernt gelegene Hawaii, der
Sitz des amerikanischen Pazifikkommandos, in Reichweite.

Südkoreas Übung als Reaktion auf den Raketenstart dauerte 20 Minuten,
wie der Generalstab laut Yonhap berichtete. Das Heer sowie die
Luftwaffe und die Marine seien beteiligt gewesen. Es seien
Zielübungen mit Raketen unternommen worden, die die Entfernung zu
Nordkoreas Abschussstelle simuliert hätten. Es seien drei Raketen der
Typen Hyunmoo-II, Haesong-II und Spice-2000 abgeschossen worden.

«Es zeigt unsere Entschlossenheit und Fähigkeit, jederzeit mit
Präzision [...] einen Schlag gegen den Ursprungsort der Provokation
und Schlüsseleinrichtungen zu führen», so der Generalstab in Seoul.
US-Verteidigungsminister Mattis sagte, mit den Militärübungen solle
Nordkorea zu verstehen gegeben werden, dass es unter Beschuss
genommen werden könnte.

EU und Nato kritisierten den Raketenabschuss Nordkoreas aufs
Schärfste. «Dies ist ein weiterer Bruch zahlreicher
UN-Sicherheitsrats-Resolutionen, der die regionale und internationale
Sicherheit untergräbt», erklärte Nato-Generalsekretär Jens
Stoltenberg. «Nordkorea muss wieder in einen glaubwürdigen und
gehaltvollen Dialog mit der internationalen Gemeinschaft eintreten.»

Eine Sprecherin der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini erkannte
eine inakzeptable Verletzung von Nordkoreas internationalen
Verpflichtungen. «Der Raketenstart ist eine weitere schwere
Provokation und eine ernste Bedrohung für die internationale
Sicherheit.» Nordkorea müsse sein Atom- und Raketenprogramm
einstellen.

In den vergangenen Monaten hatten sich die Spannungen in der Region
wieder deutlich verschärft, nachdem Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un
mehrfach Raketen sowie Anfang September eine weitere Atombombe
getestet und damit erneut gegen UN-Resolutionen verstoßen hatte.

Es war der erste Raketentest seit dem 15. September. Seither hatte
sich Nordkorea zurückgehalten. Die USA fürchten, dass Nordkorea
erfolgreich eine Langstreckenrakete testen könnte, die sogar die
US-Pazifikküste erreichen könnte. Die große Flughöhe der getesteten

Rakete könnte auf neue Fortschritte Nordkoreas bei der Entwicklung
hindeuten.

Ballistische Raketen können mit konventionellen, chemischen,
biologischen oder atomaren Sprengköpfen bestückt werden. Je nach
System erreichen sie eine maximale Flughöhe von wenigen bis zu
mehreren hundert Kilometern. Die im antriebslosen Flug zurückgelegte
Strecke - auch Freiflugphase genannt - kann bis zu zehn Mal so lang
sein wie der Weg, den die Rakete mit Antrieb während der Schubphase
zurücklegt.

Die USA hatten Nordkorea zuletzt auf die Liste der staatlichen
Unterstützer von Terrorismus gesetzt. Das US-Finanzministerium
verstärkte die Sanktionen gegen das kommunistisch geführte Land.
Zahlreiche Länder hatten ihre Wirtschaftsbeziehungen zu Nordkorea
bereits deutlich zurückgefahren oder eingestellt.

US-Außenminister Rex Tillerson hatte jüngst weiter Hoffnung auf eine
diplomatische Lösung des Konflikts geäußert. «Viele sind der
Auffassung, dass bedeutende Resultate erzielt werden», sagte
Tillerson vergangene Woche über die US-Strategie des «maximalen
Drucks» auf Nordkorea.

Nordkorea kritisierte seine Wiederaufnahme auf die US-Liste von
Terror-Unterstützerstaaten als «schwere Provokation».



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