Bundesbank warnt vor Sorglosigkeit angesichts boomender Konjunktur

29.11.2017 11:00

Die Wirtschaft läuft, die Börsen boomen, die Zinsen sind niedrig -
schöne heile Welt? Bundesbank und EZB gießen mit Blick auf
Deutschland und den Euroraum etwas Wasser in den Wein.

Frankfurt/Main (dpa) - Die Bundesbank warnt vor Sorglosigkeit
angesichts der boomenden Konjunktur. Es bestehe die Gefahr, dass
Risiken für die Finanzstabilität unterschätzt würden, schreibt die

Notenbank in ihrem Finanzstabilitätsbericht 2017, der am Mittwoch in
Frankfurt vorgestellt wurde.

Weil der Aufschwung schon seit acht Jahren andauere und die Zinsen
anhaltend niedrig seien, könnten die Wirtschaftsakteure zunehmend
davon ausgehen, dass sich die positive Entwicklung nahtlos in die
Zukunft übertragen lasse.

«Je länger Boomphasen dauern, desto größer ist die Neigung, diese i
n
die Zukunft fortzuschreiben. Wenn wir nur den Blick den Rückspiegel
werfen, kann es sein, dass wir Gefahren, die vor uns liegen,
übersehen», sagte Bundesbank-Vizepräsidentin Claudia Buch. Das erhö
he
die Anfälligkeit für unerwartete Entwicklungen. «Im Ergebnis wäre e
s
verfrüht, angesichts der guten wirtschaftlichen Aussichten Entwarnung
zu geben», sagte Buch.

Im Euroraum insgesamt sind die Stressfaktoren nach Einschätzung der
Europäischen Zentralbank (EZB) in den vergangenen sechs Monaten auf
niedrigem Niveau weiter gesunken - unter anderem dank der robusten
Konjunktur. In ihrem halbjährlichen Finanzstabilitätsbericht betont
die EZB allerdings, es bestehe nach wie vor das Risiko einer
schlagartigen Veränderung von Preisen an den globalen Märkten. Sorgen
macht den Währungshütern zudem nach wie vor die schwache Ertragslage
vieler Banken und die teils hohe Belastung der Institute durch
Problemkredite.

Auch die Bundesbank-Experten treibt die Sorge um, dass die
Widerstandsfähigkeit etwa von Banken gegen mögliche Schocks
überschätzt werden könnte - auch wenn die Geldhäuser seit der letzt
en
Finanzkrise 2007/2008 deutlich dickere Kapitalpolster haben. Die
Risikovorsorge etwa für mögliche Kreditausfälle sei derzeit auf
vergleichsweise niedrigem Niveau. Gerade kleinere und mittlere Banken
könnten nach Einschätzung der Bundesbank zudem Probleme bekommen,
sollte sich das derzeit extrem niedrige Zinsniveau zu rasch ändern.

Zwar konstatierte Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret: «Die deutschen
Banken und Sparkassen sind weitgehend robust und gut aufgestellt.»
Doch der Bankenaufseher sagte zugleich: «Dies darf aber nicht über
die großen Herausforderungen und den Anpassungsbedarf hinwegtäuschen,
vor denen die Institute stehen. Die erhöhten Zinsrisiken und der
niedrige Bestand an Risikovorsorge erhöhen die Anfälligkeit gegenüber

unerwarteten Schocks.» Die Bundesbank beobachte das Thema
Zinsänderungsrisiken «mit Argusaugen», betonte Dombret.

Am deutschen Immobilienmarkt sieht die Bundesbank trotz teils kräftig
gestiegener Preise noch keine gefährlichen Übertreibungen. Es gebe
nach wie vor keine Anzeichen für eine kreditgetriebene Preisblase bei
Häusern und Wohnungen - auch wenn die Preise insbesondere in Städten
teils um 15 bis 30 Prozent über einem angemessenen Niveau lägen.



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