Air-Berlin-Deal auf der Kippe: Frist für Lufthansa läuft ab Von Christian Ebner, dpa

30.11.2017 16:00

Die Lufthansa muss um die Übernahme großer Teile von Air Berlin
bangen. Die EU-Kommission hat starke Kartellbedenken und könnte den
Deal platzen lassen. In Brüssel läuft ein Poker mit hohem Einsatz.

Frankfurt/Brüssel (dpa) - Im Kartellpoker um die Überreste von
Air Berlin läuft in der Nacht zum Freitag die Frist für
Zugeständnisse der Lufthansa ab. Bis Mitternacht kann der Dax-Konzern
bei der EU-Kommission noch Vorschläge einreichen, wie nach der
geplanten Übernahme der Air-Berlin-Teilgesellschaften Niki und LGW
eine mögliche marktbeherrschende Stellung verhindert werden könnte.

Die Kommission muss eine erste vorläufige Entscheidung bis zum 7.
Dezember fällen, kann aber auch eine vertiefte Prüfung des
Übernahmeantrags verfügen. In Berlin sollte am Donnerstagnachmittag
ein Krisentreffen unter Vermittlung des Bundeswirtschaftsministeriums
stattfinden.

In den vergangenen Tagen hatte es in Brüssel intensive Gespräche
gegeben, bei denen deutlich wurde, dass die Kommission insbesondere
die Übernahme des nicht insolventen Ferienfliegers Niki kritisch
sieht. Die Lufthansa kann versuchen, der EU-Behörde mit
Zugeständnissen entgegenzukommen, indem sie beispielsweise auf
einzelnen Strecken Flugrechte an Konkurrenten abgibt. Nach dem
Thomas-Cook-Konzern hat nach Informationen der «Bild am Sonntag» nun

auch der britisch-spanische IAG-Konzern (British Airways, Iberia)
sein erneutes Interesse an der einst vom Rennfahrer Niki Lauda
gegründeten Gesellschaft bekundet.

Die beiden Unternehmen waren im deutschen Insolvenzverfahren um
Air Berlin mit ihren Angeboten nicht durchgedrungen. Den vorläufigen
Zuschlag hatte die Lufthansa erhalten, sie will mit den
Teilgesellschaften LG Walter und Niki für 210 Millionen Euro einen
beträchtlichen Teil des Air-Berlin-Flugbetriebs mit 81 Jets und den
dazugehörigen Verkehrsrechten übernehmen. Dieser Deal könnte nun
komplett oder in Teilen hinfällig werden, sollte die EU darauf
bestehen, dass Niki an einen anderen Bieter gehen muss.

Die Bundesregierung zeigte sich von der jüngsten Entwicklung
alarmiert und berief eine Krisensitzung mit Vertretern der
EU-Kommission und der Lufthansa ein. Mit einem Verbot der
Niki-Übernahme wäre auch die Rückzahlung des von der Bundesrepublik
verbürgten KfW-Kredits über 150 Millionen Euro in Frage gestellt.

Einem Insider zufolge sollen mehr als 180 Millionen Euro allein für
die Niki fließen, die im Vergleich zur LGW über die wesentlich
wertvolleren Start- und Landerechte verfüge. Laut «Handelsblatt» ha
t
die EU-Kommission in dem Strecken-Portfolio der Niki mehr als 100
Überschneidungen mit Lufthansa-Gesellschaften erkannt, was zu
Nachteilen für die Verbraucher führen könne.

Sollte die Lufthansa erkennen, dass sie Niki nicht bekommt, würde sie
voraussichtlich sehr schnell die Zwischenfinanzierung für die
österreichische Airline während der Kartellprüfung stoppen. Es koste

rund 10 Millionen Euro pro Woche, Niki und LGW in der Luft zu halten,
heißt es in Kreisen der Lufthansa. Ein abruptes Ende des Flugbetriebs
könnte bedeuten, dass tausende Niki-Kunden an ihren Zielorten
stranden würden, falls nicht ein neuer Investor einspringt.

Die geplante Übernahme einer Teilflotte der Air Berlin durch die
britische Easyjet wird in einem getrennten Kartellverfahren
entschieden.



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