Lufthansa will mit Zugeständnissen Air-Berlin-Übernahme retten

01.12.2017 16:25

Lufthansa ist dicht dran an der geplanten Übernahme großer Teile der
Air Berlin. Noch zweifeln die Wettbewerbshüter der EU, ob sie den
Deal zulassen sollen. Der Konzern hat daher nachgebessert.

Brüssel/Frankfurt (dpa) - Die Lufthansa hat im wettbewerbsrechtlichen
Kampf um die Übernahme großer Teile der Air Berlin weitgehende
Zugeständnisse gemacht, um Kartellbedenken zu zerstreuen. Kurz
vor Ablauf der Frist habe das Unternehmen der EU-Kommission
angeboten, auf substanzielle Start- und Landerechte - sogenannte
Slots - an großen Flughäfen zu verzichten. Dies sagte am Freitag eine

mit dem Verfahren vertraute Person.

Die Brüsseler Behörde bestätigte den Eingang der Vorschläge, mit
denen die wettbewerbsrechtlichen Folgen der Übernahme gelindert
werden sollen. Die Frist für eine Entscheidung verlängere sich nun um
zwei Wochen bis zum 21. Dezember, teilte die Kommission mit.

Nähere Einzelheiten wollten beide Seiten nicht nennen. Dem Vernehmen
nach will die Lufthansa auf Slots der Air-Berlin-Tochter Niki etwa in
Düsseldorf, Berlin oder Palma de Mallorca verzichten. Dort könnten
dann Konkurrenten an den Start gehen und Monopolpreise verhindern.

Der Frankfurter Dax-Konzern will für 210 Millionen Euro mit den
Teilgesellschaften LG Walter und Niki einen beträchtlichen Teil des
Flugbetriebs von Air Berlin mit 81 Jets und den dazugehörigen
Verkehrsrechten übernehmen.

Die EU-Wettbewerbshüter sind bei Firmenzusammenschlüssen zuständig,
wenn der Umsatz aller Beteiligten zusammen mindestens fünf Milliarden
Euro beträgt. Sie müssen unter anderem prüfen, ob durch die Übernah
me
in diesem Fall eine Monopolstellung der Lufthansa und möglicherweise
schlechtere Bedingungen wie zum Beispiel höhere Preise für
Flugreisende entstehen könnten.

Die Lufthansa hatte bis Mitternacht Zeit, den Bedenken
entgegenzukommen. Zuletzt hatte sich abgezeichnet, dass die
Kommission insbesondere die Übernahme des nicht insolventen
Ferienfliegers Niki kritisch sieht. An der Wiener Gesellschaft hatten
in den vergangenen Tagen die Konzerne Thomas Cook (Condor) und IAG
(British Airways, Iberia, Vueling) wieder Interesse gezeigt, nachdem
sie im Bieterverfahren der Air-Berlin-Insolvenzverwaltung zunächst
nicht zum Zuge gekommen waren.

Bis zur kartellrechtlichen Entscheidung der EU hält der
Lufthansa-Konzern die Gesellschaften Niki und LG Walter vorläufig mit
Millionenspritzen in der Luft, um die Flugrechte der beiden
Air-Berlin-Töchter zu bewahren. Sollte die geplante Übernahme einer
oder beider Gesellschaften scheitern, droht laut Lufthansa-Kreisen
aber ein abrupter Zahlungsstopp. Falls dann kein anderer Investor
einspringt, müsste der Flugbetrieb umgehend aufgegeben werden. Auch
der von der Bundesrepublik verbürgte KfW-Kredit über 150 Millionen
Euro an die Air Berlin könnte dann wahrscheinlich nicht zurückgezahlt
werden.

Lufthansa wehrte sich am Freitag erneut gegen den Eindruck, dass sie
in der Folge der Air-Berlin-Pleite die Ticketpreise nach oben
getrieben habe. Nach Kundenbeschwerden hat das Bundeskartellamt
angekündigt, die Preispolitik zu prüfen.

Man habe am Preissystem für die eigenen Flüge nichts geändert,
betonte das Unternehmen am Freitag in Frankfurt erneut. Es sei aber
wegen der erhöhten Nachfrage im Dezember weiterhin so, dass die
günstigen Buchungsklassen für die jeweilige Verbindung wesentlich
früher ausverkauft seien und dann nur noch entsprechend teurere
Tickets angeboten würden, sagte ein Sprecher. Die jeweilige Größe der

insgesamt 17 Buchungsklassen sei ebenfalls nicht verändert worden, so
dass der Erlös für einen voll besetzten Flieger gleich bleibe. Das
sei eine bewusste Entscheidung gewesen, um wichtige Kundengruppen
nicht zu vergraulen oder an den Konkurrenten Bahn zu verlieren. Man
rechne in den kommenden Wochen mit deutlich früheren Buchungen von
Passagieren, welche die Höchstpreise vermeiden wollen.



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