Wenn Blinde mit den Ohren sehen

05.12.2017 06:22

Jerusalem (dpa) - Mit einem neuen Gerät können Blinde Farben
wahrnehmen und unterscheiden. Eine kleine, auf eine Brille
aufgesetzte Kamera filmt dabei ein Objekt und übersetzt seine
Eigenschaften in Töne oder Musik, wie der Neurowissenschaftler Amir
Amedi von der Hebräischen Universität in Jerusalem (Israel) erklärt,

der das System entwickelt hat. Blinde können so etwa zwischen grünen
und roten Äpfeln unterscheiden. Die Technik kann aber auch helfen,
Gesichtsausdrücke wie ein Lächeln wahrzunehmen.

Das Projekt EyeMusic wird durch das EU-Forschungsprogramm «Horizon
2020» gefördert. Die Forschungsabteilung der EU-Vertretung in Israel
hat es als «großartig» gelobt.

«Es ist ähnlich wie Delfine und Fledermäuse mithilfe von Geräuschen

«sehen»», sagt Amedi. «Nach einem Training können blinde Personen

Buchstaben erkennen, Tierbilder «sehen» und  Objekte wie Schuhe
finden.» Die Information werde durch das Gehör aufgenommen, bei der
Verarbeitung würden aber auch Bereiche des Gehirns aktiviert, die für
die visuelle Wahrnehmung zuständig sind - selbst wenn die Person von
Geburt an blind ist.

Es gibt bereits eine App, mit der man die Sprache von EyeMusic lernen
kann. «Ziel Nummer eins ist es, Blinden mehr Unabhängigkeit zu
ermöglichen», sagt Amedi.

2014 war vereinbart worden, dass Israel als erstes Land außerhalb von
Europa an «Horizon 2020» teilnehmen kann. Das Förderprogramm sieht
für die Jahre 2014 bis 2020 Ausgaben in Höhe von fast 80 Milliarden
Euro für Forschung vor. Projekte von Amir Amedi werden bisher mit
insgesamt 1,5 Millionen Euro unterstützt.



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