Zypries warnt vor «Lufthansa-Bashing» nach Preistreiberei-Vorwürfen

07.12.2017 05:15

Nach dem Aus von Air Berlin sind die Ticketpreise gestiegen, so
Kundenbeschwerden. Die Lufthansa wehrte sich gegen Vorwürfe. Die
Wirtschaftsministerin bezieht klar Position.

Berlin (dpa) - Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries hat die
Lufthansa angesichts von Vorwürfen der Preistreiberei nach dem Aus
des Konkurrenten Air Berlin in Schutz genommen. «Es gibt auch viel
ungerechtfertigte Kritik an Lufthansa, manchmal sogar eine Art
«Lufthansa-Bashing»», sagte die SPD-Politikerin der Deutschen
Presse-Agentur in Berlin.

Nach Kundenbeschwerden hatte das Bundeskartellamt angekündigt, die
Preispolitik zu prüfen. Die Lufthansa hatte sich gegen den Eindruck
gewehrt, dass sie in der Folge der Air-Berlin-Pleite die Ticketpreise
nach oben getrieben habe. Nach dem Ausscheiden von Air Berlin fehlen
jeden Tag Zehntausende Plätze im Flugverkehr.

«Ich empfinde das manchmal als eine verdrehte Diskussion», sagte
Zypries. «So hat beispielsweise niemand ein Interesse daran, dass 80
Flugzeuge lange Zeit am Boden stehen und nicht fliegen dürfen, denn
das verknappt das Angebot und verteuert die Preise. Solange die
Kartellprüfungen noch laufen, dürfen die Flieger aber nicht genutzt
werden, da kann die Lufthansa nichts dafür.»

Die geschäftsführende Ministerin fügte hinzu: «Es geht manchmal
schlicht unter, dass es das Management von Air Berlin in den
vergangenen Jahren, ja fast Jahrzehnten, war, das es nicht geschafft
hat, das Unternehmen positiv zu entwickeln. Das ist nicht die Schuld
von Lufthansa.»

Der deutsche Marktführer will mit den Teilgesellschaften LG Walter
und Niki für 210 Millionen Euro einen erheblichen Teil des
Flugbetriebs von Air Berlin mit 81 Jets und den
dazugehörigen Verkehrsrechten übernehmen. Die EU-Kommission prüft
derzeit, ob Wettbewerbsverzerrungen oder Nachteile für Verbraucher
entstehen könnten. Lufthansa-Chef Carsten Spohr hatte 1000 neue
innerdeutsche Flügen pro Monat angekündigt, sobald die
EU-Wettbewerbsbehörde grünes Licht für die Übernahme von großen
Teilen von Air Berlin gebe. Dann würden sich auch die Preise wieder
stabilisieren.

Zypries sagte mit Blick auf wettbewerbsrechtliche Bedenken der
EU-Kommission: «Die EU-Kartellbehörde prüft natürlich unabhängig.
Im
Sinne der Beschäftigten hoffen wir aber, dass dies möglichst zügig
vonstatten geht und am Ende eine gute und wettbewerbssichernde Lösung
steht.» Sie hoffe, dass es am 21. Dezember eine Entscheidung gebe.

Der Lufthansa-Konzern hatte im EU-Kartellverfahren weitgehende
Zugeständnisse gemacht, um die Air-Berlin-Tochter Niki doch noch
übernehmen zu dürfen. Mit dem Verzicht auf Start- und Landerechte
will Lufthansa wettbewerbsrechtliche Bedenken der Kommission
zerstreuen. Die Entscheidungsfrist auch zur Übernahme weiterer Teile
der insolventen Air Berlin läuft bis zum 21. Dezember. Die
EU-Kommission könnte sich aber auch noch für eine vertiefte Prüfung
des Kartellantrags entscheiden, die dann noch einmal 90 Arbeitstage
dauern würde.



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