Ärzte ohne Grenzen: Mehr als 2000 Flüchtlinge auf Lesbos sind Kinder

26.12.2017 13:51

Athen (dpa) - Bei rund 40 Prozent der Flüchtlinge und Migranten im
Auffanglager «Moria» auf der griechischen Insel Lesbos handelt es
sich um Kinder. Das sagte am Dienstag ein Vertreter der
Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen dem griechischen Radiosender
Athina984. Demnach lebten im stark überfüllten Flüchtlingslager mehr

als 2000 Kinder, davon 432 unbegleitete Minderjährige.

«In den Ambulanzen, die wir dort betreiben, sind 52 Prozent der
Patienten unter fünf Jahre alt», sagte Apostolos Veizis,
medizinischer Leiter von Ärzte ohne Grenzen in Griechenland. Doch
nicht nur die Kinder litten unter der Situation vor Ort, auch viele
Schwangere gehörten zu den Patienten. Zudem stünden rund 500 Menschen
auf einer Warteliste zur Behandlung schwerer psychischer Probleme.

«Es gibt keinen politischen Willen, das Flüchtlingsproblem zu lösen
»,
kritisierte der Mediziner. Sowohl die Europäische Union als auch
Griechenland seien in einem EU-Türkei Abkommen gefangen, das sie für
die Lösung des Problems hielten.

Seit dem Inkrafttreten des Flüchtlingspakts zwischen der EU und der
Türkei im vergangenen Jahr hat sich die Zahl der Flüchtlinge, die
nach Griechenland übersetzen, verringert. Neuankömmlinge werden
seither auf den griechischen Inseln festgehalten und müssen dort Asyl
beantragen. Die Bearbeitung der Anträge geht extrem langsam voran, so
dass die Auffanglager (Hotspots) heillos überfüllt sind. Das Lager
Moria auf Lesbos beispielsweise bietet Platz für 2330 Menschen, doch
5500 Menschen sind dort untergebracht.



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