Läutet die EZB das Ende der Anleihenkäufe ein?

13.06.2018 19:00

Frankfurt/Riga (dpa) - Die Erwartungen sind groß: Anleger und Sparer
hoffen auf konkrete Hinweise der Europäischen Zentralbank (EZB), wann
die Geldflut im Euroraum endet. An diesem Donnerstag (13.45 Uhr)
verkündet die Notenbank die Ergebnisse ihrer Beratungen.
Ausnahmsweise tagt der EZB-Rat nicht am Sitz der Zentralbank in
Frankfurt, sondern in der lettischen Hauptstadt Riga.

EZB-Chefvolkswirt Peter Praet hatte in der vergangenen Woche eine
baldige Entscheidung über die Zukunft des Anleihenkaufprogramms
angedeutet. Der EZB-Rat werde bei seiner Sitzung in Riga «prüfen
müssen, ob die bisherigen Fortschritte ausreichen, um unsere
Anleihenkäufe schrittweise zurückzufahren», hatte Praet gesagt.

Aktuell kauft die EZB pro Monat Staats- und Unternehmensanleihen im
Wert von 30 Milliarden Euro. Damit will sie die Konjunktur stützen
und die Inflation, die zeitweise bedenklich niedrig war, anheizen.
Seit Beginn des Programms im März 2015 hat die Notenbank Wertpapiere
im Gesamtwert von gut 2,4 Billionen Euro erworben. Die Käufe laufen
nach bisheriger Planung bis mindestens Ende September 2018.

Die Wertpapierkäufe sind vor allem in Deutschland umstritten.
Kritiker halten der Notenbank vor, Staatsfinanzierung mit der
Notenpresse zu betreiben. Weil das Programm allmählich an Grenzen
stößt, gehen Investoren schon länger davon aus, dass die
Anleihenkäufe in diesem Jahr auslaufen werden. «Diese
Markterwartungen sind aus heutiger Sicht plausibel», bekräftigte
Bundesbankpräsident Jens Weidmann in der vergangenen Woche.

Mit der ersten Zinserhöhung rechnen Volkswirte unterdessen frühestens
ab Mitte 2019. EZB-Präsident Mario Draghi hatte wiederholt betont,
der Leitzins werde über das Ende der Anleihenkäufe hinaus auf seinem
aktuellen Rekordtief von null Prozent bleiben.



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