Barnier: Auf Scheitern von Brexit-Verhandlungen vorbereitet sein

11.07.2018 22:25

Washington (dpa) - Kurz vor der geplanten Veröffentlichung eines
Weißbuches zum Austritt Großbritanniens aus der EU hat der Brüsseler

Chefunterhändler Michel Barnier vor den Folgen eines Scheiterns der
Verhandlungen gewarnt. «Beide Seiten müssen sich darauf vorbereiten»,

sagte er am Mittwoch in Washington. «Das Worst-Case-Szenario ist,
dass wir keinen Deal zustande bringen.»

Zwar bestehe in 80 Prozent der zu klärenden Punkte Einigkeit und es
habe deutliche Fortschritte in den zurückliegenden Wochen und Monaten
gegeben, sagte Barnier. «Es muss aber in den vor uns liegenden
Monaten noch viel erreicht werden», fügte er hinzu. «Mein Ziel ist
es, einen geordneten Deal zu erreichen.»

Großbritannien müsse jedoch klar sein, dass die für das Königreich
so
wichtigen Finanzdienstleistungen außerhalb der EU nicht die gleiche
Rechte beim Zugang zum Binnenmarkt genießen könnten. Bisher erlaubt
die EU etwa in der Londoner City gegründeten Finanzorganisationen,
darunter Töchter von US-Firmen, den Zugang zum gesamteuropäischen
Markt. «Außerhalb des gemeinsamen Ökosystems von Regulierung,
Überwachung und Strafverfolgung ist das sogenannte Passporting nicht
möglich», sagte Barnier.

«Großbritannien muss verstehen, dass die EU gemeinsamen Marktzugang
ohne entsprechende Sicherheiten nicht akzeptieren kann.» Dennoch
müsse die Zusammenarbeit auch auf dem Finanzdienstleistungssektor
auch künftig gewährleistet werden. «Wir haben einen
Regulierungs-Dialog mit den Vereinigten Staaten, wir können davon für
Großbritannien lernen», sagte Barnier.



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