Trump will deutsche Autobosse im Weißen Haus empfangen

04.12.2018 20:03

Beim Spitzentreffen deutscher Automanager mit Vertretern der
US-Regierung will sich Präsident Donald Trump nun doch auch
persönlich die Ehre geben. Ob sich die gefürchteten US-Strafzölle auf

Importwagen noch abwenden lassen, bleibt dennoch ungewiss.

Washington (dpa) - US-Präsident Donald Trump hat sich kurzfristig
beim Autogipfel mit deutschen Konzern-Managern in Washington
angekündigt. Trump wolle sich am Dienstag kurz mit den
Spitzenvertretern von Daimler, Volkswagen und BMW treffen, bestätigte
die stellvertretende US-Regierungssprecherin Lindsay Walters.

Die Chefs von Daimler und Volkswagen, Dieter Zetsche und Herbert
Diess, sowie BMW-Finanzvorstand Nicolas Peter sind vor dem
Hintergrund drohender Strafzölle auf Autoimporte zu Gesprächen in der
US-Hauptstadt. Die Autobosse dürften versuchen, Trumps Regierung mit
Investitionszusagen von höheren Einfuhrschranken abzubringen. Der
Besuch in Washington ist jedoch umstritten, da für die Verhandlungen
mit den USA eigentlich die EU zuständig ist, nicht die Konzerne.

Bei dem Treffen, das am späten Vormittag (Ortszeit) begann, handelt
es sich nicht um eine Gipfelrunde im eigentlichen Sinne, wie aus
Unternehmenskreisen zu erfahren war. Die Vertreter der Regierung
wollten mit den Managern zunächst im Eisenhower Building neben dem
Weißen Haus jeweils einstündige Einzelgespräche führen.

Danach wollte Trump die deutschen Gäste kurz im Weißen Haus
empfangen. Der US-Präsident machte vor dem Treffen aber noch einmal
bei Twitter klar, was er von freier Marktwirschaft hält: «Ich bin ein
Mann der Zölle.» Dieser Weg werde immer der beste sein, um die
wirtschaftliche Macht Amerikas zu maximieren, so Trump weiter. Auch
wenn er sich dabei vor allem auf die Verhandlungen im Handelsstreit
mit China bezog, ist Trumps Twitter-Bekenntnis zu Zöllen nicht gerade
ein Mutmacher für die Autobosse.

US-Handelsminister Wilbur Ross forderte die deutschen Autobauer im
Finanzsender CNBC bereits zu mehr Produktion in den USA auf. Ziel sei
es, das US-Handelsdefizit mit Deutschland bei Autos und Autoteilen zu
senken, sagte Ross. Das gehe «hoffentlich mit erhöhter Produktion in
den Vereinigten Staaten» einher. Wichtig sei es zudem, einen großen
Teil der künftigen Elektroautoproduktion in die Staaten zu bekommen,
so der Minister weiter.

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur hat die US-Regierung
eingeladen, um über die Handelssituation zu diskutieren. Konkret
verhandelt wird demnach nichts, die Automanager wollen aber die
Bedeutung der deutschen Konzerne für die US-Industrie unterstreichen.
Inwiefern das Treffen Bewegung in den festgefahrenen Handelsstreit
zwischen Washington und Brüssel bringen kann, bleibt abzuwarten. Ein
offizielles Mandat für Verhandlungen haben die Autobosse nicht,
Handels- und Zollfragen der Europäischen Union liegen in der
Verantwortung der EU-Kommission.

Trump, der die USA von Handelspartnern unfair behandelt sieht, droht
schon seit Monaten mit Sonderzöllen auf Autos. Für die deutschen
Hersteller wäre dies eine starke Belastung. Nachdem die Fronten
zeitweise verhärtet schienen, sicherte Trump EU-Kommissionspräsident
Jean-Claude Juncker im Sommer zu, vorerst von Autozöllen abzusehen.
Stattdessen wollte man weiter verhandeln. Seitdem tat sich jedoch
nicht viel. Vergangene Woche plädierte Trump - als Reaktion auf einen
massiven Stellenabbau beim größten US-Autobauer General Motors -
erneut für Zölle von bis zu 25 Prozent auf Autos aus dem Ausland.

Einen Hoffnungsschimmer lieferte jedoch die jüngste Annäherung
zwischen den USA und China. Die weltgrößten Volkswirtschaften hatten
beim G20-Gipfel am Wochenende in Buenos Aires eine weitere Eskalation
in ihrem erbittert geführten Handelskonflikt vorerst abgewendet.
Trumps Drohung, Strafzölle auf die Einfuhr europäischer Autos zu
verhängen, besteht zwar unabhängig davon. Doch die Fortschritte
zwischen Washington und Peking dürften den deutschen Automanagern
Hoffnung geben, dass die Trump-Regierung mit sich reden lässt.



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