Trump empfängt deutsche Automanager - «Großer Schritt vorwärts»

04.12.2018 21:53

Beim Spitzentreffen deutscher Automanager mit Vertretern der
US-Regierung gibt sich Präsident Donald Trump nun doch auch
persönlich die Ehre. Ob sich die gefürchteten US-Strafzölle auf
Importwagen noch abwenden lassen, bleibt dennoch ungewiss.

Washington (dpa) - Nach einem Gespräch von Vertretern dreier großer
deutscher Autokonzerne im Weißen Haus herrscht Optimismus, dass
US-Autozölle für die EU-Länder vermieden werden können. «Wir habe
n
einen großen Schritt nach vorne gemacht, um die Autozölle zu
vermeiden», sagte der Vorstandsvorsitzende der Volkswagen AG, Herbert
Diess, nach dem Gespräch im Washington. Diess, Daimler-Chef Dieter
Zetsche und BMW-Finanzvorstand Nicolas Peter sprachen jeweils
getrennt mit Vertretern der US-Administration. Anschließend gab es
eine gemeinsame, etwa halbstündige Runde mit Präsident Donald Trump,
an der auch die Botschafterin Deutschlands in Washington, Emily
Haber, teilnahm.

Diess sprach von einem «überzeugenden Investitionsprogramm», das
Volkswagen in den USA vorlegen könne. «Der Präsident hat einen Punkt,

wenn er uns überzeugen will, mehr zu investieren und wir sind bereit,
mehr zu investieren», sagte Diess. Auch Zetsche sagte, Trump habe
positiv auf die vorgelegten Konzepte von Daimler reagiert.

Diess betonte, es gehe um den Bau eines neuen Volkswagenwerkes, sowie
um Kooperationen mit dem US-Autobauer Ford, mit dem gemeinsam unter
anderem Pick-Ups gebaut werden sollen und dem Softwarekonzern
Microsoft. «Ich glaube, es geht um viel, es stehen viele
Arbeitsplätze in Frage, wenn der Präsident wirklich 25-prozentige
Zölle verhängen würde», betonte Diess. Gespräche seien auch übe
r die
Angleichung deutscher und amerikanischer Standards für die Autos
geführt worden, sagte Diess.

BMW teilte mit, die Münchner hätten bereits 9,3 Milliarden US-Dollar
(8,2 Mrd Euro) in ihr Werk in Spartanburg (South Carolina)
investiert. Bis 2021 seien Investitionen in Höhe von weiteren 600
Millionen Dollar und die Schaffung von 1000 zusätzlichen
Arbeitsplätzen vorgesehen. 70 Prozent der Produktion würden
exportiert - ein großer Beitrag für die US-Handelsbilanz. BMW prüfte

gerade den Standort für ein zusätzliches Motorenwerk in den USA.

Der Besuch der Automanager in Washington ist in Deutschland
umstritten, da für die Handelsverhandlungen mit den USA eigentlich
die EU zuständig ist, nicht die Konzerne.

Der US-Präsident hatte vor dem Treffen noch einmal bei Twitter
klargemacht, was er von freier Marktwirstchaft hält: «Ich bin ein
Mann der Zölle.» Dieser Weg werde immer der beste sein, um die
wirtschaftliche Macht Amerikas zu maximieren, so Trump weiter. Auch
wenn er sich dabei vor allem auf die Verhandlungen im Handelsstreit
mit China bezog, war Trumps Twitter-Bekenntnis zu Zöllen zunächst
nicht gerade ein Mutmacher für die Autobosse.

US-Handelsminister Wilbur Ross forderte die deutschen Autobauer im
Finanzsender CNBC bereits zu mehr Produktion in den USA auf. Ziel sei
es, das US-Handelsdefizit mit Deutschland bei Autos und Autoteilen zu
senken, sagte Ross. Das gehe «hoffentlich mit erhöhter Produktion in
den Vereinigten Staaten» einher. Wichtig sei es zudem, einen großen
Teil der künftigen Elektroautoproduktion in die Staaten zu bekommen,
so der Minister weiter.

Die US-Regierung hatte nach Unternehmensangaben eingeladen, um über
die Handelssituation zu diskutieren. Konkret verhandelt wird demnach
nichts, die Automanager wollen aber die Bedeutung der deutschen
Konzerne für die US-Industrie unterstreichen.

Inwiefern das Treffen tatsächlich Bewegung in den festgefahrenen
Handelsstreit zwischen Washington und Brüssel bringen kann, bleibt
abzuwarten. Ein offizielles Mandat für Verhandlungen haben die
Autobosse nicht, Handels- und Zollfragen der Europäischen Union
liegen in der Verantwortung der EU-Kommission.

Trump, der die USA von Handelspartnern unfair behandelt sieht, droht
schon seit Monaten mit Sonderzöllen auf Autos. Für die deutschen
Hersteller wäre dies eine starke Belastung und ein riesiger
Wettbewerbsnachteil. Nachdem die Fronten zeitweise verhärtet
schienen, sicherte Trump EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker
im Sommer zu, vorerst von Autozöllen abzusehen. Stattdessen wollte
man weiter verhandeln. Seitdem tat sich jedoch nicht viel. Vergangene
Woche plädierte Trump - als Reaktion auf einen massiven Stellenabbau
beim größten US-Autobauer General Motors - erneut für Zölle von bis

zu 25 Prozent auf Autos aus dem Ausland.

Einen Hoffnungsschimmer lieferte jedoch die jüngste Annäherung
zwischen den USA und China. Die weltgrößten Volkswirtschaften hatten
beim G20-Gipfel am Wochenende in Buenos Aires eine weitere Eskalation
in ihrem erbittert geführten Handelskonflikt vorerst abgewendet.
Trumps Drohung, Strafzölle auf die Einfuhr europäischer Autos zu
verhängen, besteht zwar unabhängig davon. Doch die Fortschritte
zwischen Washington und Peking sowie die Einigung auf ein neues
nordamerikanisches Handelsabkommen zwischen den USA, Mexiko und
Kanada machten auch den deutschen Automanagern Hoffnung.

Die deutsche Autobranche will am Mittwoch Auskunft über ihre
Erwartungen an das kommende Jahr geben. Der Präsident des Verbands
der Automobilindustrie, Bernhard Mattes, wird in Berlin neben den
Problemen mit dem Dieselfahrverbot in mehreren Städten auch einen
Konjunkturausblick angesichts des Handelskonflikts mit den USA geben.



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