Europol: Drogen-Banden bedrohen zunehmend Europa Von Annette Birschel, dpa

05.12.2018 05:00

Organisierte Banden verdienen mit Drogen jährlich ein Vermögen und
werden immer gefährlicher. Europol will den Kampf nun verstärken.

Den Haag (dpa) - Die organisierte Drogenkriminalität stellt nach
einer Analyse von Europol eine wachsende Bedrohung für Europa dar.
Produktion, Angebot und Handel würden immer mehr zunehmen, sagte der
stellvertretende Direktor von Europol, Wil van Gemert, im Gespräch
mit der Deutschen Presse-Agentur in Den Haag. «Es ist der größte

kriminelle Markt in Europa.» Eine internationale Expertenkonferenz
wird sich ab Donnerstag bei Europol in Den Haag mit der
Drogenkriminalität befassen und über neue Strategien und
Zusammenarbeit bei den Ermittlungen beraten.

Von rund 5000 organisierten Verbrecherbanden in Europa ist nach
Analyse von Europol rund ein Drittel im Drogengeschäft aktiv. Nach
konservativen Schätzungen verdienen sie 24 Milliarden Euro im Jahr.
«Wie gehen aber davon aus, dass es tatsächlich ein Vielfaches
dieser Summe ist.» Van Gemert leitet die Europol-Abteilung zum
organisierten Verbrechen, Terrorismus und Cyber-Verbrechen. Nach
einer Studie aus 2018 wird allein in den Niederlanden mit der
Produktion und dem Handel von synthetischen Drogen knapp 19
Milliarden Euro im Jahr verdient.

Die Experten stellten in allen Bereichen der Drogenkriminalität eine
Zunahme fest. So stiegen der Heroin-Anbau in Afghanistan und die
Kokain-Produktion in Kolumbinen jährlich um 30 bis 40 Prozent. Auch
die Produktion der synthetischen Drogen nehme stark zu.

Der stellvertretende Europol-Chef warnte vor einer Bagatellisierung
von Drogen. «Hier geht es nicht um eine Pille, die man mal auf einer
Party schluckt», warnte der Niederländer. «Jedes Jahr gibt es in
Europa etwa 9000 Drogentote.»

Die «zerstörerischen Folgen» zeigten sich immer mehr auch im
alltäglichen Leben vieler Bürger: Bürgermeister würden unter Druck

gesetzt, kommunale Verwaltungen untergraben. Gefährlicher chemischer
Abfall werde in Wohn- oder Naturgebieten entsorgt. Es gebe mehr
offene Schießereien.

Der Kampf gegen die Drogen war wegen der Terror-Gefahr und der
Bekämpfung des Menschenhandels in den vergangenen Jahren in
den Hintergrund geraten. Europol plädiert nun für eine Intensivierung

der Ermittlungen. Dabei gehe es nicht nur um mehr Geld, sagte der
Europol-Direktor.

Die Zusammenarbeit auch mit der Privatwirtschaft müsse intensiviert
werden. So hoffen die Ermittler, durch eine Kooperation mit Banken
bei der Fahndung nach den Gewinnen die Drahtzieher der Netzwerke
aufzuspüren. Bislang war das Abschöpfen der Vermögen noch wenig
erfolgreich. Von den rund 110 Milliarden Euro, die Kriminelle in
Europa schätzungsweise im Jahr verdienen, konnten bisher nur etwa ein
Prozent im Jahr beschlagnahmt werden.



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