Wettkampf der Weltwährungen - Brüssel will Euro international stärken Von Alkimos Sartoros, dpa

05.12.2018 16:24

Iran-Sanktionen, Handelsstreit, Abkehr von internationalen
Verpflichtungen: US-Präsident Trump setzt bei seiner Politik auch auf
die Dominanz des US-Dollars. Brüssel will nun den Euro stärken.

Brüssel (dpa) - Angesichts zunehmender Krisen und Unsicherheiten soll
der Euro nach dem Willen der EU-Kommission global eine wichtigere
Rolle spielen. Entsprechende Ideen legte die Brüsseler Behörde am
Mittwoch vor. Vor allem Energieimporte in die EU sollen demnach
künftig stärker in Euro abgewickelt werden. In den USA dürften die
Ideen neuen Unmut auslösen.

Der Euro ist seit seiner Einführung vor 20 Jahren die zweitwichtigste
Währung der Welt. In den 19 Euro-Staaten nutzen ihn etwa 340
Millionen Bürger tagtäglich. 60 Länder weltweit verwenden ihn zudem
oder haben ihre Währung an den Euro gebunden - darunter die
EU-Staaten Bulgarien und Dänemark. Er macht ein Fünftel der
Fremdwährungsreserven ausländischer Zentralbanken aus. Mehr als ein
Drittel aller internationalen Transaktionen wird in Euro abgewickelt.
Die weltweit mit Abstand wichtigste Währung ist seit Jahrzehnten aber
der US-Dollar.

«Der Euro sollte das politische, wirtschaftliche und finanzielle
Gewicht der Eurozone widerspiegeln», forderte nun
EU-Währungskommissar Valdis Dombrovskis. Dafür müssten europäische

Staaten, Firmen und Marktteilnehmer an einem Strang ziehen.

Direkten Einfluss kann die EU-Kommission da kaum nehmen. Darüber,
welche Währung verwendet wird, entscheidet der Markt weitgehend
selbst. Die Brüsseler Behörde will aber zumindest einige historisch
gewachsenen Gewohnheiten beeinflussen. Das betrifft vor allem den
Energiesektor.

Die Energieimporte der Europäischen Union belaufen sich nach
Kommissionsangaben pro Jahr auf rund 300 Milliarden Euro. Der
überwiegende Teil davon - vor allem bei langfristigen Verträgen -
wird jedoch nicht in Euro abgerechnet. Lieferungen aus Russland oder
dem Nahen Osten werden größtenteils in Dollar bezahlt. Die für die
Weltwirtschaft maßgeblichen Ölpreise werden in Dollar berechnet.

Die EU-Kommission will Staaten und Unternehmen nun dazu ermuntern,
stärker auf den Euro zu setzen. Auch weil die Abhängigkeit von
anderen Währungen - vor allem vom Dollar - politisch riskant und
wirtschaftlich kostspielig werden kann.

«Derzeit erleben wir, wie die wichtigste Währung der Welt - der
Dollar - zum Problem für die Weltwirtschaft werden kann», sagte der
Chef des Euro-Rettungsschirms ESM, Klaus Regling, unlängst. «Wenn
diese Währung [...] ihre Zinsen erhöht und gleichzeitig aufwertet,
geraten Unternehmen und eventuell ganze Länder, die sich zuvor in
Dollar verschuldet haben, in Probleme.» Er bezieht sich damit auf die
Leitzinserhöhungen in den USA.

Diese Erfahrung machte zuletzt etwa die wirtschaftlich angeschlagene
Türkei. Die türkische Lira verlor stark an Wert; Unternehmen, die in
Fremdwährungen verschuldet sind, bekamen zunehmend Schwierigkeiten,
ihre Schulden zu begleichen.

«Darüber hinaus gibt es jetzt leider eine neue Erfahrung», sagt
Regling. «Die Trump-Regierung benutzt den Dollar zunehmend als
Instrument für außenpolitische Ziele.»

Die USA setzten unlängst etwa trotz internationaler Proteste
umfangreiche Sanktionen gegen den Erzfeind Iran in Kraft. Damit soll
die Öl- und Bankwirtschaft des Landes geschädigt und die Islamische
Republik zu außenpolitischen Zugeständnissen genötigt werden. Die USA

werfen dem Iran unter anderem vor, die radikal-islamische
Palästinenserorganisation Hamas und im Libanon die schiitische
Hisbollah-Miliz zu unterstützen.

Washington will vor allem ausländische Firmen bestrafen, die sich den
Sanktionen nicht beugen. Die Unternehmen sollen vom US-Finanzsystem
abgeschnitten werden und könnten damit auch keine Geschäfte mehr in
Dollar abwickeln. Angesichts der weltweiten Dominanz der US-Währung
müssten sie dadurch massive Einbußen fürchten.

Angesichts dessen plädiert die EU-Kommission auch dafür, weitere
Reformen voranzutreiben, um den Euro krisenfester und attraktiver für
internationale Anleger und Unternehmen zu machen. Damit würde in
Europa das Wachstum gefördert und gleichzeitig die Autonomie Europas
in der Welt gestärkt, meinte EU-Wirtschaftskommissar Pierre
Moscovici.

Langfristig sind dafür etwa die Schaffung eines europäischen
Sicherungssystems für Sparguthaben bei Banken, die Ernennung eines
EU-Finanzministers sowie ein harmonisierter europäischer Kapitalmarkt
im Gespräch. Im Detail gibt es dabei aber noch etliche Hürden und
Probleme.

Der CSU-Europaabgeordnete Markus Ferber fasst es so zusammen: «Der
Euro wird langfristig nur dann international eine gewichtige Rolle
spielen, wenn an seiner Stabilität nicht die geringsten Zweifel
bestehen. Eine Grundvoraussetzung dafür ist, dass die Mitgliedstaaten
der Eurozone ihre Staatsverschuldung im Griff haben.»



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