EU-Innenkommissar: Rettungsbooten im Mittelmeer «keine Sternstunde»

09.01.2019 15:12

Brüssel (dpa) - Mit Blick auf die zuletzt vor Malta blockierten
Rettungsschiffe hat EU-Innenkommissar Dimitris Avramopoulos die
EU-Staaten scharf kritisiert. «Die vergangenen Wochen waren keine
Sternstunde Europas», sagte er am Mittwoch in Brüssel. 49 Menschen
fast 3 Wochen lang auf See ausharren zu lassen, sei nicht das, wofür
die EU stehe.

Sea-Watch hatte 32 Migranten vor Weihnachten unweit der libyschen
Küste gerettet. 17 weitere nahm die Regensburger Hilfsorganisation
Sea-Eye kurz vor dem Jahreswechsel an Bord. Seitdem saßen die
Migranten auf den Schiffen fest, weil Malta und Italien den
Rettungsschiffen das Anlegen in ihren Häfen verweigert hatte. Am
Mittwoch gestattete Malta den 49 Geretteten jedoch, vorerst an Land
zu gehen. Als Gegenleistung hatte die maltesische Regierung die
Verteilung weiterer Migranten gefordert, die die dortige Küstenwache
Ende Dezember gerettet hatte.

Um in ähnlichen Situationen künftig nicht immer ad hoc reagieren zu
müssen, forderte Avramopoulos die EU-Staaten dazu auf, endlich eine
nachhaltige Lösung zu finden. Diese könne eine «Brücke» sein, bis
die
Staatengemeinschaft sich auf eine Reform der sogenannten
Dublin-Regeln geeinigt habe. Danach ist jenes EU-Land für einen
Asylbewerber zuständig, in dem dieser erstmals EU-Boden betreten hat.
Die Staatengemeinschaft kann sich jedoch schon seit Jahren nicht auf
eine verbindliche Quote zur Verteilung von Flüchtlingen auf alle
Länder einigen.



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