Thyssenkrupp legt Zahlen vor - Betriebsräte beraten nach Fusions-Aus

14.05.2019 05:15

Wie geht es weiter bei Thyssenkrupp? Der Industriekonzern legt Zahlen
für das zweite Quartal des laufenden Geschäftsjahres vor. Die fallen
nicht gut aus, wie Vorstandschef Guido Kerkhoff gewarnt hat.

Essen (dpa/lnw) - Thyssenkrupp will durch einen radikalen Umbau seine
Wettbewerbsfähigkeit verbessern. Wie schwierig die Lage für den
Industriekonzern derzeit ist, dürfte sich am Dienstag bei der Vorlage
neuer Geschäftszahlen zeigen. Vorstandschef Guido Kerkhoff hatte
bereits am vergangenen Donnerstag eingeräumt, die aktuelle
Entwicklung sei «schlechter als erwartet». Dies liege vor allem an
der Konjunktureintrübung, unter der Thyssenkrupp besonders als
Automobilzulieferer leide.

Der Konzern hat deshalb die Erwartungen für das bis Ende September
laufende Geschäftsjahr nach unten korrigiert. Nachdem schon im
vergangenen Jahr bei einem Umsatz von knapp 43 Milliarden Euro unter
dem Strich nur ein Jahresüberschuss von 60 Millionen Euro übrig
geblieben war, rechnet das Unternehmen diesmal sogar mit roten
Zahlen. Dazu tragen nicht nur die schlechter laufenden Geschäfte bei.
Thyssenkrupp hat auch die Rückstellungen für eine erwartete
Kartellstrafe um gut 100 Millionen Euro erhöht. Das Bundeskartellamt
ermittelt gegen Thyssenkrupp wegen des Verdachts Preise für Grobblech
mit Konkurrenten abgesprochen zu haben.

Kerkhoff hatte am vergangenen Freitag überraschend die Fusion der
Stahlsparte von Thyssenkrupp mit dem indischen Konkurrenten Tata
gestoppt. Die EU-Kommission werde das Geschäft nicht genehmigen,
hatte er mitgeteilt. Auch die Aufspaltung des Konzerns in zwei
eigenständige Unternehmen sagte Thyssenkrupp ab.

Nach dieser Kehrtwende will der Konzern in den kommenden drei Jahren
6000 Stellen abbauen, davon 4000 in Deutschland. Das soll möglichst
ohne betriebsbedingte Kündigungen erfolgen, wie Thyssenkrupp der IG
Metall in einer Grundlagenvereinbarung zugesichert hat. Bei den
Beschäftigten herrscht dennoch Verunsicherung.

Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende der Stahlsparte von Thyssenkrupp,
Tekin Nasikkol, forderte den Vorstand auf, unverzüglich in
Verhandlungen zu treten. «Die in den letzten Tagen entstandene
Unsicherheit muss sofort ein Ende haben», schrieb er in einem an die
Stahlarbeiter verteilten Flugblatt. Betriebsbedingte Kündigungen
seien ein Tabu. Über ihr weiteres Vorgehen wollen die Betriebsräte
von Thyssenkrupp Steel an diesem Dienstag bei einer Konferenz in
Duisburg beraten.

Das schwankungsanfällige Stahlgeschäft will Thyssenkrupp nun im
Alleingang zukunftssicher machen, wie Kerkhoff angekündigt hatte.
«Der Stahl und der Materialhandel haben Thyssenkrupp groß gemacht. Es
sind Geschäfte, die wir gut verstehen, in denen wir führende
Marktpositionen haben«, hatte er gesagt. Auf anderen Feldern, bei der
Fertigung von Teilen für die Automobilindustrie und den Maschinenbau,
seien Partnerschaften mit anderen Unternehmen denkbar. Dabei könne
sich das Unternehmen auch mit einer Minderheitsbeteiligung zufrieden
geben, sagte er.



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