Bloomberg: Trump will Entscheidung über Autozölle aufschieben

15.05.2019 18:15

Der Poker um mögliche Zölle auf die Einfuhr europäischer Autos in die

USA könnte noch monatelang weitergehen. US-Präsident Donald Trump
will offenbar seine Entscheidung noch nicht treffen. Eigentlich wäre
sie am Samstag fällig.

Washington (dpa) - US-Präsident Donald Trump will nach Informationen
der Finanznachrichtenagentur Bloomberg seine bis Samstag anstehende
Entscheidung über die Einführung von Zöllen auf Autoimporte aus der
EU verschieben. Die Entscheidung soll bis zu sechs Monate
hinausgezögert werden, berichtete die US-Agentur unter Berufung auf
Quellen im Weißen Haus am Mittwoch.

Die US-Regierung äußerte sich auf dpa-Anfrage zunächst nicht. Die
EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström hatte bereits in der vorigen
Woche gemutmaßt, dass es zu einer Verschiebung kommen könnte.

Am Mittwoch zogen die US-Börsen unmittelbar nach Bekanntwerden der
Nachricht kräftig an und machten teils vorher erlittene Verluste wett
- dank eines Sprunges bei den Aktien der Autohersteller. Trump wolle
zunächst Handelsgespräche mit der EU und Japan abwarten, hieß es zur

Begründung für den Aufschub in dem Bericht.

Das US-Handelsministerium hatte Mitte Februar dem Weißen Haus einen
Bericht vorgelegt, in dem die Autoimporte aus der EU als eine Gefahr
für die Nationale Sicherheit der USA angesehen werden. Trump hatte
daraufhin zunächst 90 Tage Zeit, um eine Entscheidung zu treffen.
Diese Frist würde am kommenden Samstag (18. Mai) auslaufen.

«Sollte sich die Nachricht bestätigen, wäre das aus Sicht der
deutschen Automobilindustrie ein positives Zeichen», sagte der
Präsident des deutschen Branchenverbandes VDA, Bernhard Mattes. «Die
Zeit sollte gut genutzt werden, um in den Verhandlungen zwischen der
EU und den USA zu konstruktiven Ergebnissen zu kommen. Der Erfolg der
deutschen Automobilindustrie beruht unter anderem auf freiem und
fairem weltweiten Handel.»

Die deutschen Hersteller wären durch US-Zölle besonders hart
getroffen. Sie haben einen großen Anteil an den EU-Exporten in die
USA. Außerdem haben Hersteller wie VW, Daimler und BMW sowie
Zulieferer eigene Standorte in den USA. Von denen aus beliefern sie
unter anderem den chinesischen Markt. Von dort drohen als Vergeltung
von Trumps Sonderzöllen gegen Einfuhren aus China weitere
Strafmaßnahmen.

Die EU will genauso wie die US-Autobranche die Zölle unbedingt
vermeiden. Bei einem Gespräch zwischen EU-Kommissionspräsident
Jean-Claude Juncker und Trump vor einem Jahr war vereinbart worden,
dass beide Seiten Gespräche über ein Abkommen aufnehmen, das den
Verzicht von Zöllen auf alle Industrieprodukte vorsieht. Die
Vorbereitungen für diese Gespräche sind in vollem Gange.

Die USA streben ebenso eine Vereinbarung mit Japan an - wie Europa
ein großer Autoexporteur in die USA. Trump bricht nächste Woche zu
einem Besuch in Tokio auf und wird dort unter anderem auch mit
Ministerpräsident Shinzo Abe zusammenkommen. Mit China befinden sich
die USA in einem offenen Handelskrieg. Die Sonderzölle auf
Warenimporte im Wert von 200 Milliarden Dollar hatten die USA am
vergangenen Freitag von zehn auf 25 Prozent erhöht, China kündigte
Vergeltungsmaßnahmen an.



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