Herzklopfen vor dem Bürgerentscheid zur Kulturhauptstadtbewerbung Von Miriam Schönbach, dpa

16.05.2019 05:00

Die Zittauer stimmen am 26. Mai auch darüber ab, ob sich ihre Stadt
mit der Dreiländer-Region um den Titel als Kulturhauptstadt bewerben
soll. Vorher ist die Meinung der Schüler gefragt.

Zittau (dpa/sn) - Zittau hat die Wahl: Gemeinsam mit der Europa- und
Kommunalwahl werden die Oberlausitzer am 26. Mai über die Bewerbung
zur «Europäischen Kulturhauptstadt 2025» entscheiden. «Wenn uns d
ie
Zittauer ihr Votum geben, haben wir ein Pfund auf unserer Seite.
Soviel Bürgerbeteiligung hat noch niemand gemacht. In allen
Vorbereitungsrunden ging es immer wieder darum, die Menschen
einzubeziehen, um sich mit ihren Ideen in ihre Kulturhauptstadt
einzubringen», sagte der Projektverantwortliche Kai Grebasch.

Neben Zittau wollen in Sachsen Chemnitz und Dresden für die
Kulturhauptstadt 2025 ins Rennen gehen. Deutschlandweit sind direkte
Konkurrenten Magdeburg, Nürnberg, Hannover, Hildesheim und Koblenz.

Als Logo haben sich die «Kulturherzstadtmacher», wie sich die
Projektgruppe um Grebasch nennt, ein Herz gewählt. Schließlich ist
die Bewerbung eine Herzensangelegenheit. Ins Rennen will Deutschlands
Stadt im Dreiländereck aber nicht allein gehen. Die gesamte Region
soll mitgenommen werden. Unterstützungserklärungen liegen aus
Bautzen, Kamenz, Löbau, Görlitz, den Landkreisen Görlitz und Bautzen

sowie vom polnischen Nachbarn Zielona Góra sowie der tschechischen
Stadt Liberec und der Verwaltungsregion Liberec kraj vor. Schließlich
geht es von Zittau aus innerhalb von zehn Minuten über die polnische
und tschechische Grenze.

Dieses Miteinander in der Mitte Europas ist die
Kulturhauptstadtvision von Oberbürgermeister Thomas Zenker
(parteilos). «Unsere Chance liegt im europäischen Denken. Dieses
Europa der Menschen ist die Basis - und ich wüsste nicht, welcher
Bewerber das so gut darstellen kann wie wir. Wir müssen als starke
Region gemeinsam unterwegs sein.» Wer eine solche Region in absoluter
Grenzlage und mit Strukturproblemen ab den 1990er Jahren entwickeln
will, müsse neue Wege gehen. Ein solcher sei auch der
Bürgerentscheid.

Gleichzeitig soll auch die nächste Generation mit ins Boot genommen
werden, die 2025 die «Nutznießer und die Gestalter» der
Kulturhauptstadt Zittau sein könnten, sagt Grebasch. So werden vom
20. bis zum 24. Mai Zittaus Schüler an die Wahlurne gebeten. Am
Juniorentscheid beteiligen sich alle fünf Grundschulen, die drei
Oberschulen und das Gymnasium. Das Votum der Schüler soll dem
neugewählten Stadtrat als Hilfe dienen.

Schließlich kann es sein, dass nicht genügend Bürger zum
Bürgerentscheid gehen. Beim Bürgerentscheid gilt das Prinzip
«Mehrheit entscheidet». Diese Mehrheit der abgegebenen Stimmen muss
mindestens 25 Prozent der Stimmberechtigten umfassen. Das sind in
Zittau etwa 5000. Bei einem positiven Votum ohne rechtliche Bindung
ist dann der Stadtrat gefragt.

Die «Kulturherzstadtmacher» wollen im Endspurt vor dem
Bürgerentscheid die letzten Zweifler mit einer «Kulturhauptstadt auf
Probe» überzeugen. Zwischen dem 17. und 26. Mai ist eine Aktionswoche

geplant. Geboten werden die Lesenacht «Zittau liest fürs
Herz», Talkrunden, Konzerte, Diskussionen, Kunstprojekte, das
trinationale Theaterfestival »J-O-S» mit Produktionen aus Polen,
Tschechien und Deutschland und am 25. Mai ein kleines Fest auf dem
Hauptmarkt unter dem Motto «Herzklopfen». «Da spürt man vielleicht

schon ein bisschen Kulturhauptstadt», sagte Grebasch.

Sollten die Zittauer mit Ja für die Kulturhauptstadtbewerbung
votieren, braucht die Projektgruppe Puste für den nächsten Sprint.
«Wir müssen dann schnell eine schlagkräftige Bewerbung vorbereiten,
die im September abgegeben werden muss», sagt der
Projektverantwortliche. Zahlreiche Ideen dafür wurden bereits bei
unterschiedlichen Mitmach-Formaten in den vergangenen Monaten
zusammengetragen.



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