Politische Desinformation im Internet subtiler und maßgeschneiderter

08.06.2019 02:00

Berlin (dpa) - Politische Desinformation im Internet zeichnet sich
nach Angaben der EU-Kommission zunehmend durch «subtilere,
maßgeschneiderte und genau gezielte Methoden» aus. Im Vorfeld der
Europawahl habe es in mehreren Mitgliedsländern ernsthafte Versuche
gegeben, den Ausgang der Abstimmung zu manipulieren, sagte der
zuständige EU-Sicherheitskommissar Julian King der «Welt am Sonntag».


«Wir können sagen, dass es keine großen Hackerangriffe oder
Enthüllungen gab, aber zahlreiche Berichte über
Desinformationskampagnen vor allem durch Bots und Fake-Profile»,
fügte King hinzu. Die Methoden der Desinformation zielten darauf,
bereits bestehende Entwicklungen zu beschleunigen und zu verstärken
und somit eine größere lokale Wirkung zu erzielen.

So sei beispielsweise in Spanien ein koordiniertes Netz von
Twitter-Konten entdeckt worden, «das mithilfe einer Kombination aus
Bots und Fake-Profilen antiislamische Hashtags nach oben trieb, um
die Unterstützung für die rechtspopulistische Partei Vox zu
verstärken». Ähnliche Vorfälle habe es in Österreich, Polen,
Rumänien, Lettland, Italien, Frankreich und Großbritannien gegeben.

Die Manipulationsversuche zeigten, dass weitere Maßnahmen
erforderlich seien, «seitens der Mitgliedstaaten, vor allem aber
seitens der Plattformen Facebook, Google und Twitter». Die
EU-Kommission wolle überprüfen, ob der Verhaltenskodex über
Desinformation ausreicht, den Internetunternehmen wie Google, Twitter
und Facebook erst im Oktober 2018 unterzeichnet haben. King zufolge
werden die Staats- und Regierungschefs sich in knapp zwei Wochen beim
EU-Gipfel mit der Problematik von Manipulationen im Internet
befassen.



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