IfW-Präsident: Unsicherheit ist größter Schaden der US-Strafzölle

14.06.2019 04:30

Kiel (dpa) - Die Verunsicherung durch die Handelspolitik von
US-Präsident Donald Trump ist nach Einschätzung des Ökonomen Gabriel

Felbermayr aktuell das größte Risiko für die Weltkonjunktur. «Das
Hauptproblem ist die Unsicherheit, die Trump schafft. Man weiß nicht,
welches Land demnächst in sein Visier gerät», sagte Felbermayr knapp

ein Jahr, nachdem Trump erstmals Strafzölle gegen China verhängt
hatte. «Dieser Schaden ist schwerer zu fassen, aber wahrscheinlich
deutlich größer als der, der tatsächlich durch Zölle verursacht
wird», sagte der Ökonom der Deutschen Presse-Agentur.

Der Präsident des Instituts für Weltwirtschaft (IfW/Kiel) schätzt den

Schaden für den Welthandel durch Zölle langfristig auf rund 90
Milliarden Euro jährlich, sollten die Abgaben zwischen China und USA
dauerhaft auf dem jetzigen Niveau bleiben. «Angesichts eines
Welthandelsvolumens von 15 Billionen Euro ist das vergleichsweise
wenig.»

Problematisch ist aus Sicht Felbermayrs vor allem die wachsende
Unsicherheit auch in Europa. «Verunsicherte Unternehmen halten sich
mit Investitionen zurück, Verbraucher verschieben möglicherweise
Anschaffungen.» Hinzu komme: «Der Schatten von Autozöllen schwebt
nach wie vor drohend über uns und führt schon jetzt zu ökonomischen
Schäden.» Trump hatte die Entscheidung über die Einführung
angedrohter Sonderzölle auf Auto-Einfuhren aus der EU und Japan Mitte
Mai für ein halbes Jahr aufgeschoben.

Sollte Trump seine Drohungen wahr machen, schätzt Felbermayr den
langfristigen Schaden für das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) auf
fünf bis sechs Milliarden Euro jährlich. «In der Autobranche dürfte
n
es sieben bis acht Milliarden Euro sein», sagte der Ökonom.

Europa empfahl Felbermayr, «sich schützend vor die
Welthandelsorganisation WTO und die große Gruppe der Länder zu
stellen, die potenziell verlieren würden, sollte der Konflikt
zwischen USA und China weiter eskalieren». Europa sollte mit anderen
WTO-Ländern eine Koalition bilden. «In der Summe ist Europa mit ihnen
viel größer als die USA und China. Damit hätte man eine Gegenmasse,
mit der man auch verhandeln kann.»



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