Britische Tory-Abgeordnete stimmen über neuen Parteichef ab

13.06.2019 15:25

Wer wird Theresa May als konservativer Parteichef und Premierminister
beerben? Bei der ersten Abstimmungsrunde dürfte eine Reihe von
Bewerbern rausfliegen. Es könnte aber auch Überraschungen geben.

London (dpa) - Im Rennen um die Nachfolge Theresa Mays als
Parteichefin der britischen Konservativen und Premierministerin
stimmen die Abgeordneten der Tory-Fraktion an diesem Donnerstag
erstmals ab.

Zehn Bewerber haben ihren Hut in den Ring geworfen. Als Favorit gilt
der ehemalige Außenminister Boris Johnson. Gute Chancen werden auch
Außenminister Jeremy Hunt und Innenminister Sajid Javid eingeräumt.
Umweltminister Michael Gove musste nach Geständnissen über früheren
Drogenkonsum einen Dämpfer hinnehmen.

Beim ersten Wahlgang am Donnerstag scheiden alle Kandidaten aus, die
weniger als 17 Abgeordnete hinter sich vereinen können. Die
Stimmzettel werden zwischen 11 und 13 Uhr entgegengenommen. Mit einem
Ergebnis wird kurze Zeit später gerechnet. Die Abstimmung ist geheim,
deshalb werden auch Überraschungen nicht ausgeschlossen.

Als Wackelkandidaten gelten Ex-Arbeitsministerin Esther McVey,
Entwicklungshilfeminister Rory Stewart, Mark Harper und die ehemalige
Ministerin für Parlamentsfragen Andrea Leadsom. Ex-Brexit-Minister
Dominic Raab und Gesundheitsminister Matt Hancock dürften zwar eine
Runde weiterkommen, doch mehr wird ihnen kaum zugetraut.

Weiter ausgesiebt wird am Dienstag, wenn 33 Befürworter für ein
Weiterkommen notwendig sind. Bis Ende nächster Woche soll die Zahl
der Kandidaten dann auf zwei reduziert werden, die sich in einer
Stichwahl den rund 160 000 Parteimitgliedern stellen sollen. Wer
neuer Tory-Parteichef und damit Premierminister wird, soll in der
Woche ab dem 22. Juli feststehen.

Johnson will das Abkommen über den EU-Austritt nachverhandeln. Das
kündigte er am Mittwoch in London bei einer Rede zum Auftakt seiner
Kampagne an.

Ein «besserer Deal» sei möglich, sagte Johnson. Er wolle keinen
Austritt ohne Abkommen, aber das Land müsse sich darauf vorbereiten,
um den Druck auf die Verhandlungspartner in Brüssel zu erhöhen. «Es
ist wichtig, robust, entschlossen und entschieden zu sein», so
Johnson. Zudem müsse die Austrittsfrist am 31. Oktober auf jeden Fall
eingehalten werden.

Brüssel hat bereits mehrfach klargemacht, dass es keine
Nachverhandlungen an dem Austrittsvertrag geben kann. Erst am
Dienstag wiederholte EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker
diese Position. Der Vertrag müsse respektiert werden, wer auch immer
der nächste britische Premierminister sein werde, sagte Juncker im
Gespräch mit dem Portal Politico.

May war mit dem Deal über den EU-Austritt drei Mal im Parlament
gescheitert und als Konsequenz vergangene Woche von ihrem Amt als
Parteichefin zurückgetreten. Eigentlich hätte der EU-Austritt des
Landes bereits am 29. März erfolgen sollen, zwei Mal musste er
verschoben werden. Die Briten hatten sich im Juni 2016 in einem
historischen Referendum mit knapper Mehrheit für den Brexit
ausgesprochen.



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