EU-Gutachter: Stresstest für Banken war zu lasch

10.07.2019 11:30

Luxemburg (dpa) - Der europäische Banken-Stresstest 2018 war nach
Ansicht von EU-Gutachtern nicht streng genug. «Die europäischen
Banken hätten beim Stresstest schwereren finanziellen Schocks
ausgesetzt werden müssen», heißt es in einem am Mittwoch vom
Europäischen Rechnungshof veröffentlichten Bericht. Die simulierten
Schocks, die zeigen sollen, wie krisensicher die europäischen Banken
sind, seien beim Test 2018 milder gewesen als die realen Schocks der
Finanzkrise von 2008.

Der Test habe außerdem nicht überall in Europa das gleiche Niveau
gehabt, bemängeln die Gutachter. So sei das Stresslevel in Ländern
mit schwächeren Volkswirtschaften und anfälligeren Finanzsystemen
niedriger gewesen als in wirtschaftlich stärkeren Ländern. Besonders
anfällige Banken seien außerdem von der Prüfung ausgenommen worden.

Den Grund für die Schwächen sieht der Rechnungshof in der
Organisation des Tests: Die zuständige Europäische Bankenaufsicht
(EBA) habe den zwar erfolgreich koordiniert. Bei der Ausgestaltung
des Tests hätten aber die nationalen Behörden, Zentralbanken und die
Europäischen Zentralbank (EZB) eine zu große Rolle gespielt. Die
Ergebnisse seien daher weder vergleichbar noch verlässlich.

Die Gutachter des Rechnungshofes empfehlen der EBA deshalb unter
anderem, einen Mindestschwierigkeitsgrad für die Tests festzulegen
und die Ausgestaltung des Tests genauer zu kontrollieren. Die EU
hatte die Aufsichtsbehörde 2010 in Reaktion auf die globale
Finanzkrise gegründet, seitdem führte sie vier Stresstests durch.
Beim letzten 2018 wurden 48 Banken aus 15 Ländern getestet.



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