Mehr Geld und deutsches Steuerrecht für Ryanair-Piloten

11.09.2019 15:29

Frankfurt/Main (dpa) - Nach mehreren Streikwellen und langwierigen
Verhandlungen erhalten die in Deutschland stationierten Piloten des
Billigfliegers Ryanair erstmals einen Gehaltstarifvertrag. Das teilte
die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) am Mittwoch in
Frankfurt mit. Vorgesehen seien höhere Fixgehälter und ab dem
kommenden Jahr auch erhöhte Netto-Einkommen, weil dann die rund 400
Beschäftigten unter deutschem Recht Einkommenssteuer zahlen können.

Bislang wurde die Steuer mit höheren Sätzen in Irland eingezogen, wo
sich der Sitz des Unternehmens befindet. Um deutsches Recht anwenden
zu können, überträgt Ryanair die in Deutschland stationierten
Flugzeuge auf das Tochterunternehmen «Malta Air». Das dortige
Steuerrecht erlaubt Einkommenssteuerzahlungen im EU-Ausland. Die
VC hatte ursprünglich gefordert, einen eigenständigen Flugbetrieb in

Deutschland zu gründen.

Bereits im Dezember hatten sich die Parteien auf Eckpunkte geeinigt.
Co-Piloten konnten mit einer Verdoppelung ihres Brutto-Fixgehalts auf
50 000 Euro pro Jahr rechnen, hieß es in Papieren der
Tarifkommission. Für Kapitäne ging es um bis zu 33 Prozent auf
zunächst 100 000 Euro hoch. Weil gleichzeitig flexible Lohnanteile
abgeschmolzen werden, bleiben unter dem Strich nur leichte
Steigerungen des Gesamtgehalts, die nicht näher beziffert wurden.
Weitere jährliche Steigerungen bis zum Ende der Laufzeit im März 2023
wurden ebenfalls vereinbart.

Mit dem Abschluss ist auch eine Vereinbarung über einen Sozialplan
bei Schließung oder Reduzierung von Basen verbunden. Noch offen sind
hingegen Verhandlungen über die Bildung eines Betriebsrates und den
Manteltarif. Weiter laufen bei Ryanair auch Pilotenstreiks in anderen
europäischen Ländern, wie zuletzt in Großbritannien. Ryanair äuße
rte
sich zunächst nicht zu dem Abschluss, über den die VC-Mitglieder noch
eine Urabstimmung halten müssen.



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