Britischer Minister warnt vor Behinderungen bei Handel durch Brexit

09.01.2021 13:38

London (dpa) - Der britische Staatsminister Michael Gove hat vor
«erheblichen zusätzlichen Behinderungen» im Warenverkehr zwischen
Großbritannien und der EU in den kommenden Wochen gewarnt. Das werde
vor allem den Hafen von Dover betreffen, wo täglich Tausende
Lastwagen von Fähren ins französische Calais und andersherum
befördert werden, sagte Gove am Freitagabend. Bislang war das
Verkehrsaufkommen im neuen Jahr an der wichtigsten Handelsroute des
Landes erheblich geringer als üblich. Viele Unternehmen hatten
bereits vor dem Ende der Brexit-Übergangsphase zum Jahreswechsel ihre
Lagerbestände erhöht. Doch nun wird erwartet, dass der Handel wieder
anzieht und damit die Probleme wachsen.

Für den Handel zwischen der EU und Großbritannien fallen mit dem
endgültigen Austritt des Vereingten Königreichs aus der EU-Zollunion
und dem Binnenmarkt zusätzliche Kontrollen und teils Zölle an.
Fischer, Paketdienstleister und Modeketten sind bereits von höheren
Kosten durch Zollbürokratie und Zertifikate über
Lebensmittelsicherheit betroffen und haben ihre Lieferungen auf den
Kontinent und nach Irland teilweise eingestellt. Besonders die
Fischer, die einen großen Teil ihres Fangs auf dem europäischen Markt
verkaufen, leiden durch verlängerte Lieferzeiten ihrer leicht
verderblichen Ware.

Der Chef des Online-Supermarkts Ocado, Stuart Rose, sagte
Preiserhöhungen für die Verbraucher in Großbritannien voraus. «Sie

können nicht in das 50 Jahre alte Vermächtnis einer gut geölten
Lieferkette eingreifen und davon ausgehen, dass alles vom ersten Tag
an wie geschmiert läuft», so Rose im BBC Radio 4 am Samstag. Er gehe
kurzfristig von Knappheiten bei einigen Lebensmitteln in
Großbritannien aus, eine Hungersnot werde es aber nicht geben, so
Rose. Ihm zufolge kommen in der kalten Jahreszeit 50 bis 80 Prozent
der Früchte und des Gemüses auf dem britischen Markt aus der EU.

Der Hafen von Dover widersprach Berichten, wonach es zu Verzögerungen
bei der Überfahrt kommt. Das Aufkommen sei im Januar stets geringer
und der Betrieb laufe reibungslos, teilte der Hafenbetreiber auf
Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit. Viele europäische
Logistikfirmen zögern jedoch wohl damit, ihre Lkw auf die Insel zu
schicken, nachdem es kurz vor Weihnachten zu langen Staus gekommen
war, als Frankreich wegen einer neuen Virusvariante in England seine
Grenzen komplett zumachte.



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