Großbritannien - United Kingdom

Spätberufenes Mitglied der Europäischen Union

Großbritannien in Zahlen (Statistisches Bundesamt, 2002)

Fläche: 244.000 Quadratkilometer
Einwohner: 59,3 Millionen
Erwerbsquote: 75,3 Prozent
Arbeitslosenquote (2003): 5,0 Prozent
Durchschn. Bruttojahresverdienst (verarbeitendes Gewerbe): 36.178 EUR
Bruttoinlandsprodukt (2003): 1.574,3 Milliarden EUR
Bruttoinlandsprodukt (2003, pro Kopf in KKS): 26.370 KKS
Veränderung des BIP (im Verhältnis zum Vorjahr): + 2,0 Prozent
Inflationsrate (2003): 1,4 Prozent
Saldo des Staatshaushalts (in Prozent des BIP): - 1,5 Prozent
Staatsverschuldung (in Prozent des BIP): 38,5 Prozent

Abgeordnete im Europäischen Parlament (nach 13. Juni 2004): 78
Stimmen im EU-Ministerrat (ab 1. November 2004): 29
Großbritannien ist seit 1973 EU-Mitgliedstaat.


Politik
Das Vereinigte Königreich von Großbritannien und Nordirland ist eine parlamentarische Demokratie mit einem konstitutionellen Monarchen als Staatsoberhaupt. Die oberste und souveräne Gewalt obliegt dem Parlament. Das House of Commons, das Unterhaus, besitzt mehr Befugnisse als das Oberhaus. Die 659 Abgeordneten werden für die einzelnen Wahlbezirke mit einfacher ehrheit direkt gewählt. Die Mitglieder des Oberhauses sind zum Großteil Erbpeers.

Die ausschlaggebende Stimme hat das House of Commons in der britischen Geseztgebung. Das Oberhaus kann durch sein Veto die Verabschiedung von Gesetzen verzögern, jedoch nicht verhindern. Die vollziehende Gewalt üben der Premierminister und seine Minister aus. Die Regierung wird von der Partei mit der Mehrheit im Unterhaus gebildet. Der Premierminister wird von der Königin ernannt und ist mit all seinen Ministern dem Parlament gegenüber verantwortlich.

Anders als in den meisten anderen Ländern ist die britische Verfassung nicht in einem einzigen Dokument niedergelegt. Das Rechtswesen basiert vielmehr auf einer Sammlung von Gesetzen, dem sogenannten Gewohnheitsrecht (Common Law), sowie auf Konventionen. Konventionen sind Regeln und Praktiken, die keinen formellen Gesetzesstatus haben, aber für die Arbeit der Regierung notwendig sind.

Verwaltungsrechtlich ist das Vereinigte Königreich ein Einheitsstaat mit dem Parlament als höchster Instanz. Allerdings verfügen sowohl Wales als auch Schottland, das ein eigenes Rechts- und Bildungssystem hat, über ein beträchtliches Maß an Verwaltungsautonomie. Ihre Belange werden von einem Minister für Wales und einem Minister für Schottland im Kabinett vertreten. Durch Referenden im Jahr 1997 wurde die Einrichtung eigener Regierungen in Schottland und Wales vorangetrieben. Bis zum Jahr 2000 wird ein schottisches Parlament und eine walisische Versammlung, ausgestattet mit weitreichenden Rechten, die Arbeit aufnehmen.

Die Kommunalverwaltung ist im April 1996 neu gegliedert worden. In England wurde die traditionelle Einteilung in Grafschaften und Distrikte in einigen Regionen durch Gemeindekörperschaften ersetzt. In Schottland gibt es jetzt 29 und in Wales 22 Gemeindekörperschaften. Die gewählten lokalen Körperschaften erfüllen die Pflichten, die ihnen vom Parlament übertragen werden, etwa beim Wohnungsbau, im Bildungswesen, in den Sozialdiensten, bei Polizei und Feuerwehr.

Hauptstadt und Regierungssitz ist London.

Vertretung des Vereinigten Königreichs in den Organen der Europäischen Union:
- Abgeordnete im Europäischen Parlament : 87
- Mitglieder der Europäischen Kommission : 2
- Mitglieder im Wirtschafts- und Sozialausschuß : 24
- Mitglieder im Ausschuß der Regionen : 24

Bei der Europawahl 2004 in Großbritannien hatte die United Kingdom Independence Party (UKIP), die für einen sofortigen Austritt aus der EU eintritt, 16,1 Prozent der Stimmen bekommen, während die Labour-Partei mit 22,6 Prozent das schlechteste Ergebnis seit dem Ersten Weltkrieg verzeichnete.


Wirtschaft
Bereits in den 80er Jahren wurden im Vereinigten Königreich tiefgreifende wirtschaftliche Reformen durchgeführt, die vor allem auf Privatisierung und Deregulierung der Wirtschaft setzten und zu einer umfassenden Umstrukturierung der britischen Wirtschaft geführt haben. Der Dienstleistungssektor wurde zum wichtigsten Wirtschaftssektor des Landes, in dem 1994 rund 72 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erwirtschaftet wurden. Vor allem in den Bank- und Finanzdienstleistungen ist die britische Wirtschaft heute ganz vorn. London ist weltweit einer der führenden Finanzplätze.

Der Anteil der Industrie lag 1994 bei rund 21 Prozent. Traditionelle Industriezweige wie der Kohlenbergau und die Eisen- und Stahlindustrie waren in den letzten Jahren von tiefgreifenden Umstrukturierungen betroffen. Den größten Anteil am Export haben heute Maschinen und Transportausrüstungen.

Die Bedeutung der Landwirtschaft hat hingegen im Vereinigten Königreich kontinuierlich abgenommen. Zusammen mit der Jagd- und Forstwirtschaft sowie der Fischerei macht sie heute nur noch 2 Prozent des BIP aus.

Landeswährung ist das Pfund Sterling (GBP).

Geographie
Das Vereinigte Königreich umfaßt den Großteil der Britischen Inseln und hat insgesamt eine Fläche von 242 000km². Die größte Insel ist Großbritannien mit England, Wales und Schottland. Die nächstgrößte umfaßt Nordirland und die Republik Irland, wobei allerdings die Republik Irland nicht zum Vereinigten Königreich gehört.

Das Vereinigte Königreich wird im Süden vom Ärmelkanal, im Osten von der Nordsee und im Norden und Westen vom Atlantik begrenzt. Die längste Nord-Süd-Ausdehnung ist knapp 1 000 km lang, während die Ost-West-Ausdehnung knapp 500 km erreicht. Der höchste Berg ist mit 1 342 m der Ben Nevis in Schottland.

Bevölkerung
Im Vereinigten Königreich leben rund 58 Millionen Menschen, von denen die meisten in England wohnen. Die Hauptstadt London gehört mit rund 7 Millionen Einwohnern zu den größten Städten der Welt. Schottland hat die geringste Bevölkerungsdichte des Vereinigten Königreichs.

Im Vereinigten Königreich von Großbritannien und Nordirland leben verschiedene Kulturen zusammen. Die Engländer stellen mit 80 Prozent den Großteil der Bevölkerung, gefolgt von Schotten mit 9 , Walisern mit 5 Prozent und Nordiren mit 3 Prozent. Knapp 5 Prozent der Bevölkerung - rund 2,7 Millionen Menschen - sind Angehörige ethnischer Minderheiten. Etwa die Hälfte von ihnen kommt aus Indien, Pakistan oder Bangladesch.

Die Mehrzahl der Bevölkerung gehört dem christlichen Glauben an, doch auch Anhänger des Hinduismus, des Judentums, des moslemischen Glaubens und von Sikh-Gemeinschaften sind in größerer Anzahl vertreten.

Amtssprache ist Englisch.



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