EU-Einigung: Mehr wichtige Medikamente in Europa herstellen
12.05.2026 06:36
Viele Medikamente, die in Europa auf dem Markt sind, kommen aus
Asien. Manche sind immer wieder vergriffen. Was dagegen helfen soll.
Brüssel (dpa) - Im Kampf gegen Engpässe bei lebenswichtigen
Medikamenten in der EU haben sich Unterhändler in Brüssel auf Regeln
geeinigt, um die Produktion von Arzneimitteln leichter mit
öffentlichen Geldern unterstützen zu können. Das teilten die
Vertreter des Europäischen Parlaments und der Mitgliedstaaten mit.
Europa soll dadurch weniger abhängig von einzelnen Lieferanten und
der Herstellung außerhalb des Kontinents werden.
Menschen in Europa konnten in den vergangenen Jahren manche
Medikamente zeitweise nicht mehr in der Apotheke kaufen. Betroffen
waren etwa Schmerzmittel, Antibiotika oder Fiebersäfte für
Kinder. «Die Patienten sollten sich keine Sorgen darüber machen
müssen, ob wichtige Arzneimittel wie Antibiotika in ihrer Apotheke
oder ihrem Krankenhaus verfügbar sind», teilte der zyprische
Gesundheitsminister, Neophytos Charalambides, mit. Sein Land hat
derzeit die rotierende EU-Ratspräsidentschaft inne.
Bevor die Regeln in Kraft treten können, müssen sie noch vom
Europaparlament und den EU-Staaten bestätigt werden. Normalerweise
gilt das als Formsache, wenn sich die Unterhändler der Institutionen
zuvor auf einen Kompromiss geeinigt haben.
EU will Anreize für heimische Produktion setzen
Ein Baustein der neuen Regeln betrifft die Vergabe öffentlicher
Aufträge. Im Fall von wichtigen Arzneimitteln, bei denen es eine hohe
Abhängigkeit von einem oder wenigen Ländern gibt, sollen hierbei
künftig grundsätzlich in Europa hergestellte Medikamente bevorzugt
werden. So sollen Anreize für sichere Lieferketten geschaffen werden.
Die vorläufige Einigung sieht vor, dass es verschiedene Möglichkeiten
gibt, diese Medikamente zu bevorzugen. «Dazu gehört, dass Lieferanten
proportional zu dem Anteil der in der EU hergestellten Arzneimittel
und deren pharmazeutischer Wirkstoffe vergütet werden», teilte das
Parlament mit.
Sogenannte strategische Projekte sollen zudem schneller genehmigt
werden und schneller Zugang zu Förderung bekommen. Mehrere Länder
können sich zudem zusammenschließen und gemeinsam wichtige
Medikamente beschaffen. Das betrifft unter anderem Arzneimittel für
seltene Erkrankungen, bei denen sonst laut Kommission der Markt
versagt.
Mit kritischen Arzneimitteln sind laut EU-Kommission Medikamente
gemeint, «bei denen es nur wenige oder gar keine Alternativen gibt
und bei denen die Patientinnen und Patienten durch
Versorgungsengpässe ernsthaft geschädigt würden». Dazu gehören
demnach unter anderem Antibiotika und Antithrombotika,
Krebstherapeutika und Herz-Kreislauf-Mittel. Sie sind in einer Liste
aufgeführt.
Vor allem in Asien hergestellt
Die EU-Kommission hatte die Anpassung im März 2025 vorgeschlagen.
Nach Kommissionsangaben gibt es viele Gründe, warum es in der EU in
den vergangenen Jahren Versorgungsprobleme gab. Darunter seien etwa
Engpässe bei Wirkstoffen. Aber auch, dass sich die Produktion in
einigen wenigen Ländern konzentriere, trage zu den Problemen bei. In
der Corona-Pandemie seien Schwachstellen in den Lieferketten deutlich
geworden.
Nach Angaben von EU-Gesundheitsministern aus dem vergangenen Jahr
stammen etwa 80 bis 90 Prozent der Medikamente in Europa aus Asien,
vor allem aus China. Gleichzeitig sind in der EU im
Arzneimittelsektor laut Kommission rund 800.000 Menschen beschäftigt.
