Mittelstreckenwaffen: Tomahawk-Frage beschäftigt auch EU
12.05.2026 15:10
Die Verlegung von US-Mittelstreckenwaffen nach Deutschland sollte
eigentlich die Abschreckung gegen Russland stärken. Nach den jüngsten
Ankündigungen aus Washington wird nun nach Alternativen gesucht.
Brüssel (dpa) - Der erwartete langfristige US-Verzicht auf eine
Stationierung schlagkräftiger Mittelstreckenwaffen in Deutschland ist
nach Ansicht von EU-Chefdiplomatin Kaja Kallas ein Weckruf. «Das ist
ein klares Zeichen dafür, dass wir unsere eigene
Verteidigungsproduktion wirklich sehr deutlich beschleunigen und
tatsächlich gemeinsame Beschaffungen vorantreiben müssen», sagte sie
bei einem EU-Verteidigungsministertreffen in Brüssel. Die EU müsse
die von ihr benötigten Verteidigungsfähigkeiten selbst herstellen
können.
Der vermutlich endgültige Verzicht der Trump-Administration auf eine
von der Vorgängerregierung geplante Stationierung von weitreichenden
Waffen in Deutschland war jüngst im Zuge der Ankündigung eines Abzugs
von rund 5.000 US-Soldaten aus der Bundesrepublik bekanntgeworden.
Bundeskanzler Friedrich Merz hatte dazu wenig später in der ARD
gesagt: «Wie ich es im Augenblick sehe, gibt es auch aus den USA
heraus ganz objektiv kaum eine Möglichkeit, Waffensysteme dieser Art
abzugeben.»
Bericht über mögliche Produktion in Deutschland
Eine Abmachung aus dem Jahr 2024 hatte eigentlich vorgesehen, dass
die USA von 2026 an in Deutschland wieder Mittelstreckenwaffen mit
konventionellen Sprengköpfen stationieren wollen, die weit bis nach
Russland reichen. Darunter sollten Marschflugkörper vom Typ Tomahawk
mit einer Reichweite von bis zu 2.500 Kilometern sein, Raketen vom
Typ SM-6 und neu entwickelte Hyperschallwaffen.
Hoffnung der Bundesregierung ist nun, dass Deutschland
Tomahawk-Marschflugkörper zumindest kaufen kann. Nach einem Bericht
der «Welt» wird zudem geprüft, ob nicht ein Joint Venture zwischen
deutschen und amerikanischen Unternehmen geschaffen werden könnte, um
Tomahawk-Marschflugkörper künftig auch in Deutschland produzieren zu
können.
Verteidigungsstaatssekretär Sebastian Hartmann wollte sich am
Dienstag in Brüssel zu möglichen Gesprächen mit den USA darüber nic
ht
äußern. Er sagte allerdings, es gebe «ein gemeinsames Interesse
beiderseits des Atlantiks», mehr Produktionsmöglichkeiten zu haben.
Weiterhin verwies Hartmann darauf, dass Deutschland systematisch auch
eigene Fähigkeiten neu aufbaue. «Es geht um die Abschreckung eines
Aggressors Russland», betonte er. «Nur Abschreckung hält einen
Aggressor davon ab, uns anzugreifen.»
