EU-Bericht: Drogenmafia setzt verstärkt Jugendliche ein

09.06.2026 11:49

Immer mehr junge Menschen werden von Kriminellen in Europa für
Drogenhandel und brutale Aufträge rekrutiert. Dieses Modell hat
mittlerweile einen eigenen Namen.

Lissabon/Brüssel (dpa) - Europas Drogenbanden setzen zunehmend
Jugendliche für den Handel mit Rauschgift, aber auch für Gewalttaten
ein. Junge Menschen vor allem aus sozial benachteiligten Vierteln
würden von der Mafia für Einschüchterungen, Körperverletzungen und

sogar als Auftragskiller angeworben, heißt es im Jahresbericht 2026
der EU-Drogenagentur (EUDA). Kriminelle Hintermänner stellten
Planung, Waffen, Geld und Transport bereit.

Die Anwerbung im Rahmen von sogenannten
Gewalt-als-Dienstleistung-Modellen läuft nach Angaben der Experten
teilweise über soziale Medien. Diese Entwicklung ist nach
Einschätzung der Behörde mit Sitz in Portugals Hauptstadt Lissabon
Teil eines komplexer und gefährlicher werdenden Drogenmarktes, auf
dem immer neue und oft hochwirksame Substanzen auftauchen.

Neue Substanzen und traditionelle Drogen

Neue Substanzen kommen in hoher Geschwindigkeit auf den Markt,
während traditionelle Drogen wie Cannabis, Kokain und Heroin
weiterhin weit verbreitet sind. Im vergangenen Jahr wurden in Europa
erstmals 50 neue psychoaktive Substanzen registriert. Insgesamt
überwacht die Agentur inzwischen 1.050 solcher Stoffe. 

«Die Drogenmärkte entwickeln sich rasant weiter, und die Vielfalt der

Substanzen auf den Straßen Europas wird immer unvorhersehbarer»,
warnte EUDA-Direktorin Lorraine Nolan. Dadurch steige das Risiko,
dass Menschen hochwirksame Drogen konsumierten, ohne dies zu wissen.

Tausende Drogentote in Europa

Sorge bereiten den Experten vor allem neue synthetische Opioide.
Diese hochwirksamen Stoffe können bereits in geringen Mengen
lebensgefährlich sein. Opioide, meist in Kombination mit anderen
Substanzen, sind nach wie vor die häufigste Ursache drogenbedingter
Todesfälle in Europa. Die EUDA schätzt, dass es 2024 mindestens 7.600
Todesfälle (2023: knapp 7.500) durch Überdosierung gab, bei denen
größtenteils mehrere Substanzen im Spiel waren. Mit 1.912 entfiel ein

Viertel aller registrierten Todesfälle auf Deutschland.

EU-Innenkommissar Magnus Brunner verwies auf die Folgen des
Drogenkonsums für die Gesellschaft. «Wir müssen alles daransetzen, um

zu verhindern, dass gefährliche neue Produkte den Markt
überschwemmen», betonte er. Man müsse «mit aller Härte des Gesetz
es
gegen illegale Händler vorgehen».

Cannabis bleibt mit rund 25 Millionen Konsumenten pro Jahr die am
weitesten verbreitete Droge in Europa. Zudem beobachten die Behörden
eine Ausbreitung des besonders problematischen Crack-Konsums. Auch
der Kokainmarkt bleibt auf hohem Niveau: Etwa 4,3 Millionen Menschen
im Alter von 15 bis 64 Jahren hätten im vergangenen Jahr in Europa
diese Droge konsumiert.

Katz-und-Maus-Spiel der Schmuggler

Gleichzeitig passen sich Schmuggler immer besser dem wachsenden Druck
der Behörden an. Nach verstärkten Kontrollen in großen Häfen wie
Rotterdam und Antwerpen nutzen sie laut dem Bericht zunehmend
kleinere Häfen. Zudem setzten sie auf neue Methoden wie Umladungen
auf hoher See, Drohnen, Schnellboote und sogar Halbtauchboote, um
Drogen etwa von Südamerika oder Afrika nach Europa zu bringen.

Als alarmierend gilt derweil auch eine neue Gefahr: In mehreren
EU-Ländern wurden zuletzt E-Zigaretten beschlagnahmt, die neben
Nikotin auch Cannabisstoffe enthielten. Solche Produkte könnten
künftig auch als Träger für noch gefährlichere Substanzen dienen,
warnt die EUDA, dessen Bericht auf Daten aus den 27 EU-Staaten sowie
aus Norwegen und der Türkei basiert.