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Kanadas Robbenjäger sehen ihre Felle davon schwimmen Von Gisela Ostwald, dpa

03.03.2009 10:30

New York/Ottawa (dpa) - Kanadas Robbenjäger sind fassungslos. Ihr
traditionell größter Absatzmarkt ist in Gefahr. Die EU könnte schon
im Frühjahr ein Einfuhr- und Handelsverbot für alle Robbenprodukte
verhängen. Die Weichen für den Bann stellte der Binnenmarktausschuss
des Europaparlaments am Montag. Überraschenderweise begnügte er sich
nicht mit der Empfehlung des verantwortlichen Berichterstatters, für
eine Etikettierung von Robbenerzeugnissen zu stimmen, sondern ging
gleich aufs Ganze. Nun muss das Europaparlament im April über die
Einfuhr von Robbenprodukten aus Kanada entscheiden. Kanada steht im
Ruf, Robben auf unmenschliche Weise zu töten.

Der Warnschuss aus Brüssel trifft Kanada in einem besonders
empfindlichen Moment. Noch im März beginnt erneut das - nach der
Massentötung von Kängurus in Australien - weltweit größte Schlachte
n
von Wildtieren. Hunderte Fischer ziehen mit Gewehren, Knüppeln und
Bootshaken auf das Packeis und bringen Hunderttausende Sattelrobben
und Klappmützen um. 2008 hatte das Fischereiministerium 275 000 Tiere
zur Jagd freigegeben.

Der Internationale Tierschutzfonds (IFAW), Greenpeace und weitere
Umweltschutzorganisationen sehen in dem Vorgehen ein «sinnloses
Massaker». Sie kritisieren, dass vor allem wenige Wochen alte
Jungtiere oft grausam getötet und nicht selten bei lebendigem Leib
gehäutet werden. Vorschriften der Regierung in Ottawa werden oft
missachtet, sagen die Tierschützer. Ottawa hatte den kommerziellen
Robbenfang 1987 verboten, jedoch 1995 unter Auflagen wieder
zugelassen.

Auf die Nachricht aus Brüssel reagierte die für Robben zuständige
Fischereiministerin Gail Shea zunächst empört. Der EU-Ausschuss habe
sich von politischen und emotionalen Motiven leiten lassen, sagte sie
der Deutschen Presse-Agentur dpa. «Wir werden alles daran setzen, die
Parlamentarier von den Fakten zu überzeugen». Zudem glaube sie nicht,
dass ein solches Verbot in die Jurisdiktion des EU-Parlaments falle,
erklärte Shea.

Die Robbenjagd beginnt traditionell Mitte März im Golf von St.
Lorenz. Etwa 30 Prozent der freigegebenen Tiere werden hier erlegt.
Die restlichen 70 Prozent stammen aus der Region nordöstlich von
Neufundland, wo die Jagd erst im April beginnt. Laut Ottawa ist der
Fang für die Fischer in den entlegenen Küstenregionen lebenswichtig.
Im Durchschnitt kämen 35 Prozent ihres spärlichen Jahreseinkommens
aus dem Verkauf der Felle, des Öls und des Robbenfleisches.

Der Verband der Robbenfänger (The Sealers' Association) führt die
Produkte, die von den Tieren gewonnen werden, auf seiner Webseite
auf. Demnach werden die Felle und Häute der Tiere zu Pelzen und
modischen Lederwaren verarbeitet. Ihr Fett fließe in «essbare
Ölprodukte», kosmetische Artikel und industrielle Schmiermittel.
Robbenfleisch werde fast nur in der Küstenregion verzehrt, meist in
Form von Surimi, Würstchen, Salami und Pepperoni. Wegen des hohen
Anteils an Omega-3-Fettsäuren und Protein hatten die Tiere jetzt auch
Interesse bei der Pharmaindustrie geweckt.

Sollte das Europa-Parlament tatsächlich die Einfuhr all dieser
Produkte verbieten, blieben den Kanadiern nur China, Norwegen und
möglicherweise auch noch Russland als große Absatzmärkte erhalten.
Moskau hatte am Montag, nur wenige Stunden vor dem Paukenschlag in
Brüssel, die Robbenjagd in seinen eigenen Gewässern verboten. Die
internationalen Auswirkungen des Moskauer Jagdverbots bleiben
abzuwarten.
dpa go xx a3 hu


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