EU-Parlament will Körperscanner los werden

06.01.2010 14:57

Brüssel (dpa) - Das EU-Parlament setzt ein Zeichen gegen die
umstrittenen Körperscanner: Im Gegensatz zu mehreren europäischen
Ländern, die nach dem vereitelten Terroranschlag von Detroit ihre
Flughäfen aufrüsten, will das EU-Parlament seine Geräte los werden.
Die sechs «Nacktscanner», die seit dem Jahr 2005 im Keller stehen und
noch nie im Einsatz waren, sollen verkauft werden. Eine entsprechende
Ausschreibung werde in der kommenden Woche im offiziellen Amtsblatt
der EU veröffentlicht, teilte die Pressestelle des Parlaments am
Mittwoch auf Anfrage mit.

Als Käufer kommen dem Vernehmen nach auch Flughäfen infrage -
allerdings gelten die Geräte als veraltet. Sie dürften nur noch einen
Bruchteil des Anschaffungspreises von insgesamt rund 725 000 Euro
einbringen. Interesse haben nach Parlamentsangaben vor einiger Zeit
bereits das Berliner Krankenhaus Charité sowie das Deutsche Museum in
München bekundet.

Das EU-Parlament will sich von den Geräten trennen, weil sie nicht
mehr zum Einsatz kommen sollten, sagte ein Parlamentssprecher. Im
Parlament ist eine große Mehrheit gegen den Einsatz der umstrittenen
Geräte, die Passagiere bis auf die Haut durchleuchten, um am Körper
versteckten Sprengstoff zu entdecken. Bereits im Oktober 2008 hatte
das Parlament nach scharfen Protesten aus allen Parteien die Pläne
der EU-Kommission zur Einführung von Ganzkörperscannern auf Flughäfen

zu Fall gebracht.

Die meisten Abgeordneten hatten lange Zeit nichts von der Existenz
der Scanner im eigenen Haus gewusst. Sie sollen vor ähnlichen
Anschaffungen künftig informiert werden, wie der CSU-Abgeordnete
Markus Ferber erklärte. Er warnte davor, sich nur auf die Technik zu
verlassen. «Wir brauchen eine bessere Vernetzung der vorhandenen
Informationen», erklärte Ferber in einer Mitteilung.
dpa mt xx n1 k6 tl



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